Hamburgische Künstlerschaft stellt in Ahrensburg aus

Ein Dankeschön an Bildhauer Block

M.T. Ahrensburg - Nach dem Ersten Weltkrieg war nirgends in Deutschland an Kunst zu denken. In Hamburg versuchten Maler, Bildhauer und Grafiker, mit einem Zusammenschluss wieder mehr Gewicht zu bekommen. Aber Einfluss auf die Vergabe von Aufträgen erreichten sie nicht. Es fehlte eine Dachorganisation. Im Frühjahr 1920 veranstaltete der Kunstverein Hamburg dann eine große Ausstellung mit dem Titel "Hamburgische Künstlerschaft". Ihr Erfolg führte dazu, dass im Herbst unter eben dieser Überschrift ein solcher Dachverband gegründet wurde.

80 Jahre alt ist die Hamburgische Künstlerschaft inzwischen geworden. Mit einer Ausstellung im Ahrensburger Rathaus, die am kommenden Mittwoch eröffnet wird, wird das Jubiläum gefeiert. Die Vernissage beginnt um 19.30 Uhr. Es spricht der Vorsitzende Gerhard Selle.

Mit 247 Mitgliedern nahm der Verein seine Arbeit damals auf. Erster Vorsitzender war der Maler Arthur Illies. Er hatte keine leichte Aufgabe, denn schon vor der Gründung flammten erbitterte Diskussionen über den Qualitätsanspruch auf. Austritte einiger Künstler war die Konsequenz. Trotz anhaltender Kontroversen gab es 1930 noch einmal eine große, alle Richtungen umfassende Ausstellung im Haus des Kunstvereins. Es war die letzte für die nächsten 20 Jahre. Die Nazi-Herrschaft begann, der Zweite Weltkrieg brach aus.

Mitgliederzahl sinkt

Im Nachkriegsdeutschland begann der Aufbau der Organisation ein zweites Mal. Im Herbst 1950 rief der Vorsitzende Ludolf Albrecht alle erreichbaren Mitglieder zu einer Versammlung zusammen. 123 wurden aufgefordert, wieder einzusteigen. Nicht alle folgten dem Aufruf. Dennoch zählte der Verein im Januar 1951 wieder 152 Mitglieder.

"Dass die Künstlerschaft heute noch nicht ausgestorben ist, verdankt sie ihrem langjährigen ersten Vorsitzenden und Ehrenmitglied im Berufsverband Bildender Künstler, dem Bildhauer Jürgen Block", sagt der Vorsitzende Gerhard Selle, der nur noch 20 aktive Mitglieder verzeichnet.

40 Jahre lang Motor

40 Jahre lang, von 1955 bis 1995, habe Block es durch unermüdlichen Einsatz und den Aufbau persönlicher Beziehungen immer wieder geschafft, Ausstellungen zu arrangieren und Künstler zu fördern.Viele von ihnen hat der Ahrensburger auch ausgebildet. Acht sind seit Jahren selbst Mitglied der Hamburgischen Künstlerschaft, ebenso wie die Frau des Vorsitzenden, die Grafikerin Linde Selle, und die Ahrensburgerin Marianne Syllwasschy-Hansen.

Den Verein mit seinen unterschiedlichen künstlerischen Strömungen und politischen Positionen zusammenzuhalten, war in diesen 40 Jahren die schwierigste Aufgabe. Dass es gelungen ist, zeigt unter anderem die Jubiläumsausstellung, deren Ortswahl sowohl als Hommage an Block verstanden werden kann und letztlich wohl auch sein Verdienst ist.

Sein Bemühen, Ausstellungsräume zu finden, stand stets im Mittelpunkt. Noch heute ist die Suche nach Räumen das größte Problem. Selle: "Ohne Räume können wir keine neuen Mitglieder werben. Wir fühlen uns ein bisschen wie die Stiefkinder der Hamburger Kulturbehörde."

Bis zum 27. Oktober stellt sich die Hamburgische Künstlerschaft im Ahrensburger Rathaus vor. 17 Künstler zeigen ihre Werke. Zur Schau ist ein Katalog erschienen, der 20 Mark kostet.