"Haus Bergfried" in Guderhandviertel wird für neun Millionen Mark modernisiert

Verjüngungskur fürs Altenheim

ing. Guderhandviertel - Im kreiseigenen Altenpflegeheim "Haus Bergfried" in Guderhandviertel (Samtgemeinde Lühe) brechen neue Zeiten an. Für neun Millionen Mark wird das in Teilen sanierungsbedürftige Haus flott gemacht für die Zukunft. Kernstück der Arbeiten sind 32 moderne Einzelzimmer. Sie entstehen in einem Neubau, für den das alte Gebäude an der Front des Geländes direkt gegenüber dem Lühedeich abgerissen wird.

Der Betrieb geht während des Baus in vollem Umfang weiter. Alle 79 Bewohner bleiben in ihrem Heim. Ein Umzug hätten den alten Leuten nicht zugemutet werden können und noch stören die Arbeiten kaum. Im Gegenteil: Viele Heimbewohner beobachten die Aktivitäten in direkter Nachbarschaft mit wachsendem Interesse und sehen in den starken Jungs vom Bau eine willkommene Abwechslung.

Des einen Freud, des anderen Leid: Die beiden Architekten, Uwe Brockhoff und Claus-Jürgen Voss aus Jork, stehen wegen des fortlaufenden Betriebs vor einer schweren Aufgabe, die in zwei Bauabschnitten gelöst wird. Zurzeit wird das erste neue Gebäude hochgezogen, in das die Senioren im nächsten Jahr einziehen können. Ihr altes Quartier, das nicht mehr sanierungsfähig ist, wird abgerissen. Dann wird der zweite Teil des Neubaus in Angriff genommen. Im Herbst 2002 soll das Projekt endgültig abgeschlossen sein.

Außer den 32 Einzelzimmern entstehen ein großer Speisesaal, in dem größere Veranstaltungen stattfinden können, neue Räume fürs 50-köpfige Personal, den Hausmeister und die Verwaltung, ein Aufenthaltsraum für die Bewohner sowie ein Gymnastikraum. Auch sollen Wintergarten, Kiosk, Friseur, Fußpflege und Cafe eingerichtet werden. Gleichzeitig wird die alte, mit Öl betriebene Fußbodenheizung gegen eine Gastherme ausgetauscht, werden die Rettungswege neue gestaltet, die Brandmelde- und die Schwesternrufanlage aktualisiert und die Wärmedämmung verbessert. Besonders freut sich Heimleiterin Bettina Müller über einen eigenständigen Bereich für die geronto-psychiatrische Betreuung, für die Beschäftigung stark altersverwirrter Bewohner, die momentan noch provisorisch untergebracht sind.

Mit dem Verjüngungsprogramm reagieren Heim und Landkreis auf die veränderten Bedingungen in der Seniorenbetreuung, seitdem die neuen Regeln der Pflegeversicherung gegriffen haben. Viele Senioren werden zuhause betreut, nur die stark pflegebedürftigen Menschen kommen ins Altenheim. Dazu gesellt sich die Konkurrenz der privaten Anbieter. Heimleiterin Müller sagt es deutlich: "Wir müssen etwas tun." Gerade die alten Doppelzimmer ohne eigenes Bad und WC "können Sie heute nicht mehr verkaufen". Sie verweist zwar auf die familiäre, ausgesprochen persönliche Atmosphäre in dem Heim, das vor allem von Altländern angenommen wird, sie weiß aber auch, dass ohne die Millionen-Investition ihr Haus unattraktiv geworden wäre. So wird nicht die Quantität erhöht, sondern die Qualität verbessert. Die Bettenzahl bleibt die Gleiche, aus Doppelzimmern werden Einzelzimmer.

Mit dem Umbau des Heims wird ein weiteres Kapitel für das Haus Bergfried geschrieben: Seine Geschichte lässt sich bis ins 12. Jahrhundert verfolgen, als es als Rittergut diente. Von 1862 bis 1948 war es das Armen- und Waisenhaus des Alten Landes, anschließend wurde es als Flüchtlingslager als Kinder- und als Seniorenheim genutzt.

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