BCJ-Zugang Konstantin Furman

"Ein Glücksfall"

si Hamburg - Wohl nirgendwo klappt das Miteinander verschiedener Nationalitäten so gut wie im Sport. Wenn Peter Schomers, der Trainer der BCJ Tigers, in seine Trillerpfeife bläst und sein Team im Mittelkreis zusammenruft, gleicht das Bild einem Treffen der Vereinten Nationen. Basketball-Vertreter aus Deutschland, Russland, Bosnien, und Amerika treffen sich dort, um das gemeinsame Vorgehen für die nächsten 90 Minuten zu besprechen. Das neueste Zugang der Tigers kommt aus der Ukraine. Sein Name: Konstantin Furman.

"Basketball ist mein Leben", sagt der 24-jährige Neu-Tiger auf Russisch zum Abendblatt. Zwar spricht er auch Englisch, doch das erste Interview mit einer Hamburger Zeitung möchte er lieber in der neben Ukrainisch zweiten Sprache seiner Heimat führen. Neben ihm sitzt sein neuer Teamkamerad Dima Buschin, selbst Russe, und übersetzt. Vor zwölf Jahren nahm Furman zum ersten Mal den orangenen Ball in die Hand. Ob es damals einen besonderen Grund gegeben habe, ausgerechnet Basketball als Sport zu wählen? Die beiden gucken sich an und lachen. Was für eine Frage. "Groß war ich. Sehr groß", sagt Furman. "Da lag es nahe, Basketball zu spielen."

Groß ist Furman auch heute noch. 206 Zentimeter, um genau zu sein. Und kräftig. 115 Kilogramm bringt er auf die Waage, zwei weniger als sein großes Vorbild Karl Malone von den Utah Jazz in der NBA. Gemeinsam mit Center Marc Suhr (2,15 m; 123 kg) soll Furman in der kommenden Saison dafür sorgen, dass sich keine Unbefugten unter dem Korb der Tigers herumtreiben. Dass er der richtige für diesen Job ist, zeigen Furmans Statistiken. 9,9 Rebounds holte er in der vergangenen Saison beim Tabellenelften der leistungsstarken polnischen Liga. Dazu 18,6 Punkte pro Spiel. Viel mehr schaffte auch Karl Malone nicht, als der 24 war.

"Konstantin ist für seine Größe und Masse ein sehr beweglicher Spieler", sagt Trainer Schomers, der seinen Neueinkauf als "Glücksfall" bezeichnet. "Seine Reboundstärke ist sehr wichtig für uns. Auch wenn man eine sehr gute Defense spielt - wenn man den Rebound nicht kriegt, war die ganze Arbeit vorher umsonst. Und in der Offensive gibt dir ein Rebound eine zweite Chance, Punkte zu machen."

Bis Furman den ersten Rebound für die Tigers in der ersten Bundesliga erkämpft, werden noch etwa sechs Wochen vergehen. In der Zwischenzeit bringt er sich in Form, gewöhnt sich an die Spielsysteme von Schomers und wartet wie alle Tigers-Fans gespannt auf die Ankunft der beiden US-Amerikaner, die das Team in der Startformation verstärken sollen. Der erste von ihnen, ein Point-Guard, soll eventuell am nächsten Mittwoch in Hamburg eintreffen.

Die Zeit zwischen den täglichen zwei bis drei Trainingseinheiten, verbringt Furman mit Musik hören und lesen. An seinem ersten Wochenende verließ er die Hansestadt gleich wieder, um seine Frau Julia (21) und Tochter Anna (1) zu besuchen, die noch in Nürnberg leben und bald nachkommen sollen. Rein basketballerisch hat Furman an Deutschland nur gute Erinnerungen. 1993, bei seinem bislang einzigen Besuch gewann, er mit der ukrainischen Jugend-Nationalmannschaft ein internationales Turnier in Heidelberg. Ein gutes Omen.

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