Aus für die Gimmicks - "Yps" wird nach 25 Jahren eingestellt

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Von BOB GEISLER

Stuttgart - Sie waren nutzlos, unsinnig und funktionierten meist nicht richtig. Das U-Boot mit Zitronensäureantrieb soff nach kurzer Fahrt in der Badewanne ab. Im schießenden Buch für Agenten verklemmten sich die Patronen nach dem ersten Schuss, und Eier, die eckig werden sollten, kamen unverändert aus ihrem würfelförmigen Plastikgefängnis. Die Gimmicks aus dem Kult-Comic Yps erfüllten nur selten ihren Zweck, und dennoch fieberten Tausende von Lesern den fantasievollen Beigaben Woche für Woche entgegen.

Damit ist jetzt Schluss. Zum 25. Jubiläum stellt der Egmont-Ehapa-Verlag am 10. Oktober das Erscheinen des Heftes ein. Trauern werden vor allem die heute 30-Jährigen. Sie verlieren mit Yps eine lieb gewordene Erinnerung an ihre Kindheit. Bei den Kids von heute war das Heft in den letzten Jahren immer weniger gefragt. "Mein Sohn findet Yps einfach uncool", sagt die Sprecherin des Ehapa-Verlags, Christina Godau.

Im ersten Quartal dieses Jahres verkaufte der Verlag gerade noch 80 000 Exemplare pro Ausgabe. Die Zeiten, in denen das damals noch zu Gruner + Jahr gehörende Heft Traumauflagen von 400 000 Stück erzielte, sind lange vorbei. "Die Kinder haben heute weder Lust zu lesen, noch zu basteln", versucht der Erfinder der meisten Gimmicks, Reinhard Haas, den Auflageschwund zu erklären. Der 51-jährige Münchner hat die Pupsmaschine entwickelt, den im Dunkeln leuchtenden Flugsaurier, die Urzeitkrebse und das Detektiv-Periskop.

Schon das erste Gimmick aus dem Jahr 1975 war ein voller Erfolg. Das "Schleuder-Katapult" verschoss zwar nur kleine Papierkügelchen, kam aber hervorragend an. Das Solar-Ufo, eine schwarze Plastikwurst, in der sich die Luft durch die Sonnenstrahlen erwärmte - dadurch fing das Objekt an zu schweben - funktionierte sogar so gut, dass es 1980 einen Alarm in Fuhlsbüttel auslöste. Kinder hatten ihre "Ufos" in der Nähe des Flughafens steigen lassen und besorgte Anwohner daraufhin prompt die Flugsicherung eingeschaltet.

Jetzt sind die Arbeiten an den Erfindungen in der Werkstatt von Reinhard Haas abgeschlossen. Eine "Laserscheibe", die das Licht einer Taschenlampe bricht und in bunten Strahlen an die Zimmerdecke wirft, hat er für eine der letzten Ausgaben noch perfektioniert. Sechs Monate Vorlaufzeit hatten die Gimmicks. Nicht viel, um die Extras zu entwerfen, die Produktion in Asien in Auftrag zu geben und die Teile per Container nach Deutschland verschiffen zu lassen.

Offiziell hat sich der Ehapa-Verlag eine Denkpause in Sachen Yps verordnet. "Vielleicht wird es 2001 eine Neuauflage mit mehr Wissenschaftsthemen nur für Erwachsene geben", sagt Produktmanager Shui-Li Shum.

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