Neuer Schicksalsschlag für Banken-Dynastie: Millionenerbe starb nach Heroin-Party

Drogen-Drama bei Rothschilds

SAD London - Die Rothschilds trauern wieder. Die legendäre Bankiersfamilie, eine der reichsten Dynastien der Welt, wurde erneut von einer Familientragödie heimgesucht.

Raphael de Rothschild (23), hoch begabter Erbe des Pariser Zweigs des Rothschild-Clans, wurde in New York tot auf einem Bürgersteig aufgefunden. Todesursache: vermutlich eine Überdosis Heroin. Der Tod trifft die Familie schwer. Denn noch immer ist der Selbstmord von Amschel Rothschild nicht verwunden, der sich 1996 im Pariser Bristol Hotel mit der Kordel seines Morgenrocks an einem Handtuchhalter erhängte.

Raphael de Rothschild war für große Aufgaben in der Rothschild-Dynastie vorgesehen. Der Sohn von Nathaniel und Nili de Rothschild wuchs in New York auf, wo sein Vater ein Finanzunternehmen leitet, dessen Wert auf 15 Milliarden Mark beziffert wird.

Seine Eltern wohnen in einem Apartmenthaus an der Fifth Avenue, wo einst Jacqueline Kennedy Onassis lebte. Raphael hatte die exklusive Trinity Privatschule besucht und im vergangenen Jahr sein Studium der Philosophie an der privaten Spitzen-Universität Browns auf Rhode Island mit Auszeichnung bestanden. Zuletzt allerdings sah man den Rothschild-Erben vor allem auf den Partys der Schickeria von New Yorks Geldadel. Bei einer dieser Partys soll er auch an das Heroin gekommen sein.

Sein Freund William Corbin, der den Todeskampf Raphaels miterlebte: "Er lief plötzlich blau an, brach bewußtlos zusammen. Ich trug ihn mit einem Freund die Treppe hinunter, wir wollten ihm frische Luft verschaffen. Doch als wir auf der Straße ankamen, war er schon tot." Die Polizei hielt den Millionenerben zunächst für einen Stadtstreicher - so heruntergekommen sah der junge Rothschild aus.

Corbin wurde von der Polizei verhaftet und wegen Heroinbesitzes angeklagt. Raphaels Freundin Stella, Tochter des Malers Julian Schnabel: "Sein Tod bricht mir das Herz. Er war dem Druck nicht gewachsen."

Über der berühmten Familie, die einst Könige und Regierungen finanzierte, fällt durch die Geschichte ein langer Schatten tragischer Vorfälle. Stammvater Mayer Amschel (1743-1812), Geldverleiher in Frankfurt, hatte vier seiner Söhne in alle vier Himmelsrichtungen mit dem Auftrag ausgesandt, vier Imperien zu gründen. Die Rothschilds waren wichtige Mitspieler in der Geschichte Europas, finanzierten 1812 Wellingtons Feldzug gegen Napoleon in Spanien. Sie halfen Frankreich nach der Niederlage gegen Preußen 1870/71 wieder auf die Beine. Die menschlichen Tragödien begannen 1923, als sich der schwer depressive Charles Rothschild das Leben nahm. Sein Enkel Amschel (41) erhängte sich 1996 in Paris. Oscar Rothschild vom österreichischen Zweig erschoss sich, nachdem sein Vater ihm verboten hatte die Tochter einer Pensionsbesitzerin zu heiraten.

Raphael ist nicht der erste Rothschild, der den Drogen verfiel. Sein Cousin Benjamin (36) von den Genfer Rothschilds wurde 1996 mit Heroin ertappt, unterzog sich einer Entziehungskur. Ein Jahr später wurde er Chef des wichtigsten europäischen Bankenimperiums der Rothschilds, als sein Vater Baron Edmund de Rothschild an Herzversagen starb.

Qualifizierter Nachwuchs für Spitzenpositionen ist in der Rothschild-Dynastie inzwischen dünn gesät.