Bereits in den Schulen sollten Computerkenntnisse vermittelt werden. Das aber setzt nicht nur die technische Ausstattung der Klassenzimmer voraus, sondern auch das dafür notwendige Wissen der Lehrkräfte

Lehrer an die Computer

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Von HOLMER STAHNCKE

Hamburg will seine Schüler auf das Internet-Zeitalter vorbereiten. Annähernd 6000 Computer stehen bereits in den 380 allgemeinbildenden Schulen. 95 Prozent der Schulen verfügen über einen Internet-Anschluss, 230 Schulen zusätzlich über ein Intranet. Jährlich werden, pro Schule um die 70 000 Mark in die Medienausrüstung investiert, so Dr. Uwe Heinrichs von der Schulbehörde. Damit liegt die Hansestadt bundesweit an der Spitze. "Im August 1998 hat der Senat das Programm ,Lernen mit neuen Medien' eingerichtet und den Schulen pro Jahr 6,4 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. 3270 neue Rechner konnten seitdem angeschafft werden", sagt Heinrichs.

Ziel der Schulbehörde ist es, nicht nur Medienräume mit Computern auszurüsten, sondern möglichst in jeder Klasse einen Rechner zu installieren. Der Einsatz von Informationstechnik soll zu einem festen Bestandteil der schulischen Arbeit und in allen Fächern genutzt werden.

In einem vernetzten System wäre es sogar möglich, den Schülern spezielle Kurse als Internet-Unterricht anzubieten. Bei der Recherche kann ihnen auch der "Hamburger Bildungsserver" helfen, ein Internet-Angebot, das Uwe Debacher, Lehrer am Gymnasium Lohbrügge, gemeinsam mit drei Kollegen erarbeitet.

Wie viele Rechner letztlich in einer Schule stehen, hängt vom Engagement des jeweiligen Lehrerkollegiums ab. Ist das Prozedere mit Schulbehörde und Schulkonferenz zum Kauf von Computern bewältigt, ist nur die erste Hürde genommen. Denn die eigentlichen Probleme beginnen für die Schulen beim Eintreffen der Geräte. Dazu Debacher: "Es muss eine Infrastruktur geschaffen und ein Wartungskonzept erarbeitet werden. Und die Kollegen müssen mit der technischen Bedienung der Rechner vertraut gemacht werden."

Noch werde in der Lehrerweiterbildung überwiegend über pädagogische Aspekte diskutiert. Beide Komponenten müssten in Einklang gebracht werden, fordert Debacher: "Unsere Schule ist im Umgang mit Computern Spitze. Aber auch bei uns sind nur zehn Prozent der Lehrer bereit und in der Lage, mit der Technik umzugehen." Das sieht am Corvey-Gymnasium, wo Rainer Schneehorst unterrichtet, nicht anders aus: "Unser Ziel, dass jeder Schüler bis zum Abitur ein umfangreiches Dokument mit dem PC erstellt hat, ist kurzfristig nicht zu erreichen."

Wird eine Klasse von Lehrern unterrichtet, die Computer nicht einsetzen können oder wollen, müssen die Schüler ihre PC-Kenntnisse woanders erwerben. "Ein unerfreulicher Zustand", moniert Hubert Grimm von der Handelskammer Hamburg. In der chemischen Industrie habe man sämtliche Ausbilder und Meister bereits in den 80er-Jahren ohne Wenn und Aber im EDV-Bereich ausgebildet. "Warum geht das nicht an allgemeinbildenden Schulen?", fragt Grimm. "Wir werden auf diesem Gebiet ein Entwicklungsland werden, wenn nicht schnell und konsequent gehandelt wird."

Werden beim Vernetzen und Warten der Computer Fremdfirmen beauftragt, ist das sehr teuer. Am Gymnasium Lohbrügge setzt man stattdessen auf Eigenleistung. Die Schüler haben Löcher gebohrt und Kabel verlegt und dabei eine Menge über die Infrastruktur vernetzter Rechner gelernt. Zwölf Schüler vermarkten inzwischen ihr Wissen in einer eigenen Firma. "Netthelp", so der Name des jungen Unternehmens, hat im Rahmen des Junior Projekts des Instituts der Deutschen Wirtschaft für ein Jahr eine Rechtsform erhalten und berät andere Schulen sowie Privatpersonen bei der Einrichtung ihrer EDV.

Dass Uwe Debacher 200 Schulen mit Kommunikationsservern für einen Internt-Zugang ausrüsten konnte, wäre ohne die Hilfe von Schülern und Studenten nicht möglich gewesen.

"Unser Ziel, dass jeder Schüler bis zum Abitur ein Dokument mit dem PC erstellt hat, ist kurzfristig nicht zu erreichen."

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