Deutschland-Tour will ins Konzert der Großen einstimmen

Von LUTZ WAGNER

Berlin - Ein seliges Lächeln umspielte die Lippen von Roland Hofer im Schatten der Berliner Gedächtniskirche. Doch nicht der weihevolle Ort stimmte den 57-jährigen Schweizer so froh. Es war sein ganz persönliches Fazit der Deutschland-Tour 2000.

"Ich komme gerade von der Abschlusssitzung der Rennkommissäre des Weltverbandes UCI, und da gab es nur positive Kommentare", klärte der sportliche Leiter auf. Das sei weiß Gott nicht immer so, weshalb er die einhellige Beurteilung der achtteiligen Rundfahrt über 1247 km auch als Kompliment für das gesamte Tour-Management werte. Hofer: "Wir haben erneut bewiesen, dass wir so ein Rennen erstklassig organisieren können. Das macht Mut für die Zukunft."

Der weltgewandte Eidgenosse geht davon aus, dass die Deutschland-Tour erneut hochgestuft wird, vermutlich von 2.3 auf 2.2. Damit stünde sie auf einer Stufe mit der Luxemburg-Rundfahrt, bei der sich ab Donnerstag Telekom-Sprinter Erik Zabel den letzten Schliff für die Tour de France holt. Manfred Böhmer, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, träumt schon laut davon, an Nummer vier vorzurücken: hinter den drei Großen Tour, Giro und Vuelta, jedoch vor der Tour de Suisse. "Bis dahin werden aber mindestens noch drei Jahre vergehen", dämpft Hofer allzu forsche Erwartungen. "Wir müssen Step by Step voranschreiten, dürfen nichts überstürzen."

Nach Ansicht des Veranstaltungsprofis aus Erlenbach müsse sich vor allem das Umfeld entwickeln. So müssten mehr Großsponsoren ins Boot genommen werden, um die finanzielle Basis zu verbreitern. Damit würde automatisch auch die Werbekarawane attraktiver und das Erscheinungsbild im Zielraum abwechslungsreicher und farbenprächtiger. In diesem Jahr dominierten hier vor allem das Gelb der Deutschen Post und das Blau der Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW).

"Wir werden den derzeitigen Etat von 6,5 Millionen Mark auf jeden Fall erhöhen", versprach derweil schon mal Michael Hinz, einer von zwei Geschäftsführern der Hamburger Sport- und Marketingagentur Upsolut, die auch das Weltcuprennen HEW-Cyclassics organisiert. Entsprechend werde auch der Tour-Gesamtumsatz von bislang 18 Millionen Mark mit Sicherheit gesteigert.

Zufrieden zeigte sich der federführende TV-Host-Broadcaster SAT. 1, dessen Vertrag auslief. Spitzenwerte von 2,95 Millionen Zuschauern und ein Marktanteil von bis zu 16,7 Prozent hätten den Privatsender in seinem Übertragungskonzept bestätigt, meint Pressesprecherin Brigitte Schmidt. Ob SAT. 1 trotz Option dabeibleibt, ist allerdings fraglich: Für das kommende Jahr soll den Veranstaltern bereits ein Angebot der ARD vorliegen.

Blieben eingedenk der glänzenden Perspektiven dennoch Wünsche bei Roland Hofer offen? "Sportlich kann noch einiges bewegt werden", sagte der Renndirigent. "So hätte ich gern ein spanisches Team dabei. Außerdem führe ich bereits intensive Verhandlungen mit US Postal. Vielleicht gelingt es mir ja, Lance Armstrong im nächsten Jahr zur Deutschland-Tour zu locken."

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