Die Berliner Kommissare sollen sich jetzt mit nachgebessertem Profil behaupten

Von Bullen und Bären

Krimi-Reihe: Tatort.

So, ARD, 20.15 Uhr

Im vergangenen Sommer ging das Duo Hellmann & Ritter alias Stefan Jürgens & Dominic Raacke zum ersten Mal auf Verbrecherjagd. Nachdem Günter Lamprecht als Kommissar Markowitz 1995 seinen Hut genommen hatte, war der Sender Freies Berlin mit seinem "Tatort" glücklos geblieben. Das Krimi-Markenzeichen wurde beschädigt von dürftigen Geschichten und steriler Videotechnik. Als der ARD-Programmausschuss die Folge "Ein Hauch von Hollywood" ins Spätabendprogramm verbannte, zog der SFB die Notbremse und wagte einen Neubeginn - mit höherem Budget (2,1 statt 1,5 Millionen Mark) und den beiden neuen Kommissaren. "Von Bullen und Bären", ein Familiendrama vor dem Hintergrund des Börsenfiebers, ist bereits ihr vierter Fall.

Die Kritik reagierte bisher mit verhaltenem Optimismus. Die "FAZ" sprach vom Debakel-Debüt und erkannte beim zweiten Fall immerhin solides Handwerk. Die "Süddeutsche Zeitung" ging zuletzt recht hart mit "Blüten aus Werder" ins Gericht: Nicht die Geschichte müsse stimmen, Effekte müsse sie bieten. Und der Kritiker des Hamburger Abendblattes bilanzierte: "Die beiden Spreekommissare wollen einfach nicht Fuß fassen im Krimiland, und die Bücher wirken stets wie aus dem Computer abgerufen."

Gute Noten gabs dagegen vor allem für Dominic Raacke und auch für Stefan Jürgens, die bislang stets besser waren als ihre Klischee-Cops nach klassischer Buddy-Art. An Hellmann und Ritter hat man deshalb einige Nachbesserungen vorgenommen. "Obwohl wir die beiden sehr unterschiedlich gezeichnet haben, wurden sie sich vor der Kamera dann doch ziemlich ähnlich", so Justus Boehncke, SFB-Fernsehspiel-Chef. Die Profile seien deshalb wieder geschärft worden. Raacke soll den Abgebrühteren, den amerikanischeren Typus verkörpern, während Jürgens der Sensiblere sein soll, der sich von Situationen überraschen lässt.

Boehncke sieht den Hauptstadt-"Tatort" auf einem guten Weg. Er gibt zu bedenken, dass die Konkurrenz aus Köln, Hamburg oder München mit einigen 100 000 Mark mehr kalkulieren kann für ihre Krimis. Das sei aber nicht der Grund, weshalb er auf kleine Geschichten, die echte Hel- den haben, setzt. Familiengeschichten beispielsweise wie beim jüngsten Fall.

Goldgräberstimmung in Berlin. Der phänomenale Börsengang eines altehrwürdigen Metallunternehmens entpuppt sich als kapitales Windei, gepusht von einem einflussreichen Analysten. Der ist der Schwager der jungdynamischen Chefin der Maram AG (Catherine Flemming) und der Sippschaft eigentlich verhasst. Kommissar Hellmann, ein leidenschaftlicher Kleinaktionär, erliegt dem Charme dieser kühlen Blonden. Bald gibt es zwei Lei- chen, aber nur wenig handfeste Indizien. tt

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.