2001 soll ein neues Sport-Projekt nach Hamburg kommen

Triathlon für alle: Behörde will Alster zum Schwimmen freigeben

Von PETER U. MEYER

Der Gedanke ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber faszinierend: Hunderte Sportler in Neoprenanzügen springen vom Anleger am Alsterpavillon in die Binnenalster und ziehen vor der City-Kulisse von Rathaus, Ballindamm und den Jungfernstiegen ihre Bahnen. Danach wechseln die Athleten aufs Fahrrad, und am Schluss des Wettkampfs steht ein Lauf - alles mitten in der Stadt.

"Hamburger City-Triathlon" heißt das Projekt, das im August 2001 Wirklichkeit werden soll. "Die Kulisse rund um die Binnenalster ist eine Naturarena", schwärmt Hauke Andresen, dessen Sport- und Veranstaltungs-Marketing-Firma Capricorn den Wettkampf ausrichten will. Für den Vizepräsidenten der Deutschen Triathlon Union, Klaus Müller-Ott, ist es "längst überfällig, dass ein hochkarätiger Triathlon-Event nach Hamburg kommt". Die City liefere ideale Bedingungen für den Wettkampf.

Die Binnenalster als Badegewässer - dieser Clou des Wettkampfs scheint realisierbar zu sein. "Wir können uns Schwimmsport in der Binnenalster vorstellen", sagt Brigitte Köhnlein, Sprecherin der Umweltbehörde. Es wäre die Premiere für diese Form der Alster-Nutzung.

Für Senatssprecher Ludwig Rademacher zeigt die Initiative der Triathleten, "dass hier die Möglichkeit entstehen kann, einen weiteren Sportklassiker nach Hamburg zu holen". Der City-Triathlon könnte einmal in einer Reihe mit dem Hansaplast-Marathon, den HEW-Cyclassics und Tennis am Rothenbaum stehen. Hamburg werde "ein immer attraktiverer Standort für sportliche Großveranstaltungen".

Triathlon ist eine Trend-Sportart: Rund 150 000 Frauen und Männer setzen sich den körperlichen Strapazen des Wettkampfs allein in Deutschland aus. Erstmals ist der Dreikampf in diesem Jahr olympische Disziplin. Marketing-Mann Andresen rechnet bei dieser Ausgangslage mit rund 1000 Teilnehmern für den Hamburger City-Triathlon. Die Veranstalter wollen nach dem Vorbild des Marathons Spitzensportler gewinnen, aber zugleich auch Breitensportler ansprechen.

Geplant ist ein Sprint-Triathlon: Nach 750 Metern Schwimmstrecke müssen die Sportler 20 Kilometer auf dem Fahrrad absolvieren, ehe sie fünf Kilometer laufen. Zum Vergleich: Die olympischen Triathlon-Distanzen sind 1500 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen. Der härteste Triathlon - der "Ironman" auf Hawaii - umfasst 3,8 Kilometer im Wasser, 180 Kilometer auf dem Fahrrad und einen Marathon-Lauf von 42,195 Kilometern.

"Der City-Triathlon ist Hamburg-Werbung pur", sagt Andresen. Auch beim Verbands-Vizepräsidenten Müller-Ott löst die Vorstellung Begeisterung aus. "Einen besseren Standort kann man sich vom Ambiente her in ganz Deutschland nicht vorstellen." Jedes Mal, wenn er als Teilnehmer des Marathon-Laufs an der Binnenalster vorbeigekommen sei, so Müller-Ott, habe er gedacht: "Hier müssen wir etwas machen." Die Zuschauer, die sich rund um das Gewässer verteilen sollen, könnten den Wettkampf während der gesamten Zeit hautnah verfolgen.

Ausrichter Andresen und Müller-Ott haben schon ein Fernziel vor Augen: Wenn sich der Hamburger City-Triathlon etabliert, könnte der Wettkampf Teil des Weltcups werden. "Mit der Veranstaltung können wir das Nord-Süd-Gefälle beseitigen, das es in Deutschland bei Triathlon-Wettkämpfen derzeit noch gibt", sagt Müller-Ott.

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