"Beachtlicher Markt": Handelskammer mit Tschechien-Besuch zufrieden

Bürgermeister Ortwin Runde ist mit einer positiven Bilanz im Gepäck von seiner dreitägigen Reise in die tschechische Hauptstadt Prag zurückgekehrt. "Die Städtepartnerschaft mit Hamburg ist bei vielen Pragern gut im Gedächtnis und genießt hohe Wertschätzung", sagte Runde zum Abschluss der Tour. Hamburgs frühzeitiges Engagement nach der samtenen Revolution 1989 werde an der Moldau anerkannt.

Vor zehn Jahren hatten Hamburg und Prag ihre Städtepartnerschaft begründet, aus der bis heute zahlreiche Kontakte zwischen Schülern und Studenten sowie in den Bereichen Wirtschaft und Kultur hervorgegangen sind. In Fragen der Ver- und Entsorgung sowie der Energieerzeugung arbeiten die kommunalen Betriebe und Unternehmen in Projekten zusammen. Aus Anlass des Partnerschafts-Jubiläums hatte sich Runde in das Goldene Buch der Hauptstadt Prag im Altstädter Rathaus eingetragen. Höhepunkt des Besuchs war ein 20-minütiges Gespräch mit dem tschechischen Präsidenten Vaclav Havel in der Prager Burg.

Parallel zu Runde, der mit einer kleinen Delegation unterwegs war, richtete die Handelskammer zum zweiten Mal einen "Tag der Hamburger Wirtschaft in Prag" aus. Ziel des Treffens im neoklassizistischen Zofin-Palast am Ufer der Moldau war der Aufbau neuer Kontakte zwischen Hamburger und tschechischen Unternehmen. "Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis und besonders mit der hohen Zahl von 130 Teilnehmern", sagte Kammer-Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz.

Die mitgereisten Vertreter Hamburger Unternehmen führten im Durchschnitt fünf Einzelgespräche mit Inhabern oder Mitarbeitern tschechischer Firmen. "Daraus haben sich weitere Besuchs-Verabredungen und konkrete Ansatzpunkte für Geschäfte ergeben", sagte Schmidt-Trenz. Im Mittelpunkt standen die Branchen Transport, Logistik, Export und Medien.

Für Carl-Edgar Jarchow, den alleinigen Geschäftsführer der Paul Tiefenbacher GmbH, hat sich der Prag-Besuch gelohnt. Tschechische Unternehmen hatten vor allem Interesse am Import von Parkettböden des Hamburger Groß- und Außenhandelshauses, das außerdem auf Kautschuk und Kautschuk-Chemikalien spezialisiert ist. "Wir versenden jetzt Muster und Preislisten, und dann wird es in den nächsten vier Wochen in Hamburg Treffen mit sieben Unternehmens-Vertretern geben", sagte Jarchow. Von dem tschechischen Interesse ermuntert, sucht Jarchow jetzt einen Vertreter der Firma für den tschechischen Markt.

Derzeit sind 500 Hamburger Unternehmen in Tschechien aktiv, davon 80 Firmen mit eigenen Niederlassungen oder Produktionsstätten. "Wir freuen uns, dass es auf vielen Feldern Zusammenarbeit gibt", hatte Runde in seinem Grußwort an die Tagungsgäste gesagt. "Ich glaube, dass da aber noch einige Luft drin ist", setzte der Bürgermeister hinzu.

"Tschechien ist für deutsche Unternehmen wieder ein attraktives Investitionsland geworden und ein beachtlicher Markt", sagte Schmidt-Trenz. Umgekehrt sei Hamburg wegen seines Hafens für Tschechien "gewissermaßen die Export-Abteilung des Landes". Umso wichtiger sei der Aufbau leistungsfähiger Verkehrswege. "Die Elbe muss von Magdeburg bis zur tschechischen Grenze unbedingt schiffbar werden", forderte der Kammer-Hauptgeschäftsführer. Jenseits der Grenze würden die Ausbau-arbeiten längst laufen.

Es sei sein Traum, so Schmidt-Trenz, der Elbe wieder die wirtschaftliche Bedeutung zurückzugeben, die sie vor dem Zweiten Weltkrieg hatte. Als einen Schritt auf dem Weg dahin wertet Schmidt-Trenz die Gründung der Kammer-Region Elbe / Oder, der 30 Industrie- und Handelskammern aus Deutschland, Polen und Tschechien angehören. pum

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