Hamburgs neue Radwege

Teures Pflaster

Von MENSO HEYL

Den Transrapid, den lassen sich die Hamburger wegnehmen (vom Genossen Clement vielleicht). Aber bei der Fortentwicklung der Radfahrwege, das ist mal sicher, werden unsere wackeren Politiker zu hehren Olympiern. Motto: Röter - teurer - breiter.

Am Jungfernstieg liegen rote Steinchen mit unvorschriftsmäßigen Kantenlängen? Raus, andere rein! Wird eine neue Veloroute fertig, und es stehen gerade Wahlen an? Schon kommt ein Senator und weiht die Sache höchstpersönlich ein! Ist die Veloroute ein halbes Jahr alt, aber im schönen Grindelviertel nur 19 Steinchen breit? Pflasterleger wieder marsch! Was ein ordentlicher zweispuriger Radweg werden soll, der muss in der Breite mehr als 20 Steinchen haben.

Ein Schelm, wer dabei an Schildbürgerstreiche denkt. Wie schon Schopenhauer bemerkte, reift alles Vortreffliche langsam. Wenn auch noch, wie manchmal in Hamburg, das besonders Vortreffliche überhaupt nicht zur Reife kommt (siehe Transrapid, Hafenquerspange, Ausbau des Rings 2), dann braucht die Politik eine Art Ersatzdroge. Die Radfahrwege als Ersatz für Verkehrspolitik? Es lebe das Kleinformat.

Ersatzdroge könnte der falsche Begriff sein. Ersatzreligion wäre vielleicht besser. Oder warum wird zum Beispiel auf der Schlankreye, wo auf längerer Strecke der Fußgängerweg nur aus Sand besteht, alles vorhandene Geld allein für einen Radfahrweg geopfert? Oder warum bleibt das Pflaster der Fußgängerzone in den Colonnaden halsbrecherisch wie eh und je?

Weiter so, ihr Olympier. Wechselt rote Steinchen aus und opfert dem Fahrradgott!

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