Der Betrieb von nebenan - Barakuda in Sprötze

Wasserdichte Geschäfte

Im Ort kennt sie jeder. Aber wer weiß schon, was sie machen. Die Handwerker, Händler oder Industrie- und Transportunternehmen in der Nachbarschaft. Wer sind die Inhaber, wer zieht die Fäden? Was wird in den großen Hallen oder kleinen Werkstätten hergestellt? Wie viele Leute sind beschäftigt? Wie sehen die Planungen für die Zukunft aus? Welche Probleme gibt es vor Ort? Kann man sie meistern oder drohen größere Veränderungen? Die Harburger Rundschau stellt sie vor, die Betriebe von nebenan.

Von ELKE SCHMIDT

Sprötze - Drei Brüder, eine Firma. Fast unbemerkt von der Sprötzer Öffentlichkeit führen die Brüder Christian (29), Matthias (31) und Joachim (36) Bergann in dem kleinen Ort ein Unternehmen mit Weltgeltung: die als GmbH geführte Firma Barakuda mit einer Jahresproduktion von mehreren Tausend Tauchanzügen aus Neopren.

In den Sprötzer Produktionshallen entstehen Neopren-Tauchanzüge, die sich mit Qualität und Individualität auf dem Weltmarkt durchgesetzt haben. Anders als andere sind die drei Brüder nicht der Versuchung erlegen, ihre Produktion in Billiglohnländer zu verlagern.

"Die ausländische Konkurrenz ist sehr groß, aber wir wollten den Standort Deutschland halten und das können wir nur, weil wir beste Qualität herstellen", sagt Joachim Bergann, der den Verkauf und das Marketing der Firma übernommen hat.

Mit Hilfe modernster Computertechnik entstehen in kürzester Zeit neue Schnittmuster, die direkt in die Produktion gehen können. Das ermöglicht nicht nur die Herstellung von Standardkollektionen, sondern erfüllt auch individuelle Kundenwünsche. "Learning by doing", sagt Christian Bergann, der für den Bereich Produktion und Entwicklung verantwortlich ist. "Eigentlich kann man das nirgendwo richtig lernen", sagt er. Zwar hat er einen Schnellkursus in Schnitttechnik gemacht und auch von dort viele Ideen mitgebracht, aber den richtigen Umgang lerne man nur in der Praxis.

"Der Beruf macht Spaß" versichert er. Mit Begeisterung entwirft er neue Schnitte. Sonderanfertigungen sind für ihn kein Problem, sondern eine Herausforderung. Alles, was er realisieren kann, werde gemacht. So entstehen nicht nur Anzüge in Übergrößen, sondern auch Handschuhe, bunte Stirnbänder, modische Damen-Badeanzüge und Neopren-Anzüge für Kinder. Zurzeit arbeite er an einem Tauchanzug für das Polarmeer. "Ein Neoprenanzug schützt vor Auskühlung und Abschürfungen, er muss wie eine zweite Haut sitzen", sagt Christian Bergann und meint damit die Genauigkeit, mit der hier gearbeitet werden muss.

Hinter einer erfolgreichen Firma steht natürlich auch ein gutes Team. Sechzehn feste Mitarbeitern und sechs Aushilfen stehen den Männern aus Sprötze im internationalen Wettbewerb zur Seite. "Barakuda war immer wie eine große Familie. Früher wurde auch schon mal für die Belegschaft gekocht, das hebt das Betriebsklima", sagt Joachim Bergann.

Aus den Sprötzer Fertigungshallen kommt Wertarbeit. "Der Mercedes unter den Tauchanzügen", behaupten Insider. Ob auf den Malediven, den Kanarischen Inseln oder im Roten Meer, überall auf der Welt, wo das Tauchen zum Freizeitspaß gehört, kann man die stilisierte gelbe Flosse auf blauem Grund sehen. Das Markenzeichen der Firma Barakuda seit fünfzig Jahren.

"Das Tauchen wurde uns in die Wiege gelegt. Wir testen unsere Sachen immer selbst. Mit einer Neuentwicklung gehe ich als Erster in die Ostsee", sagt Matthias Bergann. Er, der Nautiker und Segelfreak, leitet das Personal und den Einkauf.

Über seine Söhne hält Vater Hans-Joachim Bergann (80), Begründer und guter Geist der Firma, immer noch ein wachsames Auge. Als ehemaliger Marinetaucher, der schon mit dem berühmten Hans Hass vor Piräus tauchte, war er es, der die Idee hatte, den Tauchsport jedermann zugänglich zu machen. "Der Aktivurlaub war meine Idee, sie kam aus Deutschland," sagt der rüstige Senior stolz. Zusammen mit Dr. Kurt Ristau gründete er 1949 Barakuda, das erste deutsche Tauchsportunternehmen.

Wie Missionare zogen sie durch Deutschlands Strandbäder, um dem staunenden Publikum ihre Künste vorzuführen. Es entstanden die ersten deutschen Tauchclubs und das was man heute den Abendteuer- und Aktivtourismus nennt.

Die ersten Tauchflossen gab Hans-Joachim Bergann vor fünfzig Jahren bei der Phoenix in Harburg in Auftrag. Das nötige Anfangskapital verdiente er sich mit dem Schreiben von Kasperletheaterstücken, die er selbst im alten Café Keese, damals noch in Eimsbüttel, aufführte. Eintrittsgeld: ein Brikett und eine Mark.

Das alles ist längst Vergangenheit. Seit dem Jahr 1949 hat sich viel getan. Die Söhne haben sich auf die Entwicklung und Herstellung von Neopren-Produkten spezialisiert. Die Zeiten, als sich die Taucher die Kaschierung vom Körper kratzen mussten, weil sie sich vom Anzug gelöst hatte, sind vorbei. Das neue Material ist ein hochwertiges flexibles Nylongewebe, das je nach Wärmegrad des Wassers in verschiedenen Stärken verarbeitet wird.

Für die Söhne war eines immer klar: weiterzuführen, was der Vater aufgebaut hatte. "Jeder von uns hat seinen Aufgabenreich und auch Spaß an der Zusammenarbeit, damit lässt sich der Stress besser bewerkstelligen", sagt Joachim. Und Bruder Matthias ergänzt: "Es ist ein knallhartes Geschäft, auch wenn es die Familie ist, muss immer Klartext gesprochen werden, jeder von uns weiß damit umzugehen."

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