Aktzeichnungen des Malers in der Tate-Galerie

Der unbekannte Turner

dpa London - Erotische Zeichnungen und Skizzen des englischen Malers William Turner (1775-1851) sind erstmals in der Tate-Galerie in London zu sehen. Die Werke erschütterten das Bild Turners vom puritanischen Einzelgänger, schrieb der "Daily Telegraph". Zu ihnen gehört unter anderem eine Skizze eines lesbischen Aktes. Die Tate-Galerie ist seit den 20er-Jahren im Besitz von Turners Nachlass.

Die Werke sind jetzt im Rahmen der Ausstellung "Ruskin, Turner und die Präraffaeliten" zu sehen. Der Kunstkritiker und Maler John Ruskin (1819-1900) war sowohl Verehrer Turners als auch Anhänger der 1848 gegründeten Bewegung der Präraffaeliten, die eine Rückkehr zur Natur anstrebten. Turner, der ausschließlich als Landschaftsmaler bekannt ist, hat nach Vermutung von Ausstellungsleiter Ian Warrell die erotischen Zeichnungen überwiegend bei Reisen in Europa um 1830 angefertigt, als er viel in Gasthäusern übernachtete und dort Prostituierte skizzierte. Es sei aber auch möglich, dass die Figuren, die teilweise ohne Kopf sind, von Turners Fantasie beflügelt wurden. "Der schüchterne und geheimnisvolle Turner arbeitete so viel, dass er für den Aufbau fester Beziehungen gar keine Zeit hatte", behauptet Warrell, "es gibt von ihm vermutlich Hunderte von erotischen Fantasien." Die meisten wurden von Ruskin vernichtet, der sie für äußerst obszön hielt. Auch die Tate-Galerie gab keine Zeichnung zur Veröffentlichung frei.