Wagners Verkehrsentwicklungsplan - die Kritik überwiegt

| Lesedauer: 2 Minuten

Die Diskussion um den Verkehrsentwicklungsplan (VEP) von Bausenator Eugen Wagner geht weiter. Erstmals kam jetzt der Bau- und Verkehrsausschuss der Bürgerschaft zur Anhörung von Kammern und Verbänden zusammen. Um es gleich vorweg zu sagen: Die Kritik am VEP überwog sowohl bei den Vertretern der Wirtschaft als auch bei denen von Radfahrern und Fußgängern.

Arno Reglitzky vom ADAC kleidete seine ganze Ablehnung des VEP in einen Satz: "Die Analyse der Verkehrssituation ist gut - das Handlungskonzept erschütternd." Klare Umsetzungsvorschläge für die auf Hamburg zukommenden Verkehrsströme, zum Beispiel aus Skandinavien, fehlten. Voraussetzung für eine dauerhafte Staubekämpfung bleibe der Ausbau des Verkehrsnetzes. Dabei müsse der Durchgangsverkehr um das Zentrum herumgeleitet, der Zielverkehr auf Parkplätze oder P + R-Plätze geleitet und von Bahnen und Bussen übernommen werden.

Dirk Naujokat vom Landesverband Straßenverkehrsgewerbe Hamburg e. V. wünschte sich auf dreispurigen Einfallstraßen eine "Kommunaltrasse" für Lkw, Busse und Taxis. Er sprach sich dafür aus, die starre 50-Kilometer-Regelung je nach Verkehrslage und Tageszeit flexibler - etwa zwischen 40 und 70 - zu gestalten und auch die 100 km/h auf Autobahnen in der Stadt nicht generell vorzuschreiben.

Hella Häußler von der Handwerkskammer regte an, die Ampeln besser zu schalten und mehr Straßen nach dem Vorbild der Sierichstraße morgens nur stadteinwärts und abends nur stadtauswärts befahrbar zu machen. Für die Handelskammer fasste Reinhard Wolf zusammen, wie der VEP mit seinem Vorrang für das Umsteigen vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr bei Vernachlässigung des Straßenneubaus wirken werde: "Eine solche Verkehrspolitik verstößt massiv gegen die Interessen der Wirtschaft." Ohne den Ausbau der Verkehrssysteme in a l l e n Bereichen werde der Wohlstand leichtfertig aufs Spiel gesetzt.

Entgegengesetzte Kritik kam von Carsten Knoch vom Verkehrsclub Hamburg. Der Einstieg in eine ökologisch nachhaltige Verkehrsplanung werde mit den VEP nicht erreicht, sagte er. Umweltbelange kämen zu kurz. Stefan Warda vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club begrüßte zwar, dass die Förderung des Radfahrens und Zu-Fuß-Gehens die Lebensqualität in der Stadt verbessere. Er forderte aber auch eine stärkere Beteiligung der Radfahrer an der Verkehrsplanung.

Am Rande der Sitzung wurde bekannt: Die im VEP aufgeführten konkreten Maßnahmen kosten grob geschätzt 6,4 Milliarden Mark bis 2010 bei einem Hamburg-Anteil von 1,3 Milliarden Mark.

Bereits in Arbeit oder abgeschlossen sind davon Maßnahmen für 3,1 Milliarden Mark und mit einem Hamburg-Anteil von 425 Millionen Mark. scho

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: 2000