Karl-Klasen-Preis: Das Plädoyer des Präsidenten für den Euro

Für der Hamburger Bankier Karl Klasen stand nach den bitteren Erfahrungen der Weltwirtschaftskrise der 30er- Jahre fest, dass für Deutschland eine erfolgreiche politische und wirtschaftliche Entwicklung ohne Abstimmung in Außen- und Wirtschaftspolitik mit den USA nicht möglich sei. Als Präsident der Bundesbank von 1970 bis 1977 arbeitete er mit Nachdruck für diese enge Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten.

Klasens Engagement wirkt auch nach seinem Tode fort: Die 1992 gegründete Karl Klasen Journalistenpreis Stiftung verlieh gestern Abend im Kaisersaal des Hamburger Rathauses den vierten Karl-Klasen-Journalistenpreis mit Petra Pinzler (34), USA-Korrespondentin der Wochenzeitung "Die Zeit", an eine Journalistin, deren Berichte "den deutschen Lesern den Alltag von US-Bürgern unvoreingenommen, kritisch und verständlich nahe bringen und somit zu einer Vertiefung der deutsch-amerikanischen Beziehungen beitragen".

Angenehme Beigaben dieser Ehrung sind eine Urkunde und ein Scheck über 20 000 Mark.

Erster Preisträger war anno 1992 der Washingtoner Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, Herbert von Borch, der sich durch seine Berichte über die US-Politik nicht nur Freunde, sondern auch viele Gegner gemacht hatte - in erster Linie Henry Kissinger.

Während der Preisverleihung in der Frankfurter Paulskirche nahm der anwesende ehemalige US-Außenminister den roten Faden prompt wieder auf. Er sagte über seine Kritiker:

"Sie waren anderer Meinung als ich - auch Journalisten haben nicht zu 100 Prozent Recht! Und manchmal beschossen sie mich von entgegengesetzten Seiten, was nur beweist, welch vereinigenden Einfluss ich ausgeübt habe."

Thema des gestrigen Festvor-trages war eine Währung, die zurzeit ebenfalls von entgegengesetzten Seiten beschossen wird. Sein kühner Titel lautete: "Ein Jahr europäische Währungsunion - eine Herausforderung für den Dollar?"

Die Antwort des Bundesbankpräsidenten Ernst Welteke darauf fiel allerdings weit weniger kühn aus: Er vermied das Kampfwort "Herausforderung" und "verkaufte" den Euro stattdessen als ein "neues attraktives Angebot für Anleger". Den vergrämten Bürgern von Euroland empfahl er angesichts der "internen Stabilität" des Euro "größere Gelassenheit und mehr Selbstbewusstsein", wies abwiegelnd darauf hin, dass die USA "größtes Schuldnerland der Welt mit der niedrigsten Sparquote" seien und beklagte die Euro-Schwäche vor allem als psychologisches Problem:

"Die Amerikaner sagen ,Ein Dollar ist ein Dollar!', die Europäer dagegen fragen ängstlich ,Ist ein Euro weniger als ein Dollar?'" Das letzte Wort des Bundesbankchefs lautete:

"Ich bin zuversichtlich, dass die europäische Geldpolitik die Herausforderung bestehen wird!" sti.

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