Der Beruf des Magier

Faszination der Zauberei

Von RENATE REITH

Harry Houdini, David Copperfield, Kim & Sedat. Was diese vier Menschen gemeinsam haben? Die Faszination an der Zauberei. Houdini, wohl der bekannteste Zauberer und Entfesselungskünstler zu Beginn des Jahrhunderts, Copperfield, weltberühmter Magier der Gegenwart. Und Kim & Sedat? Vielleicht auf dem Weg dorthin. An Geschick, Ehrgeiz und Ausstrahlung mangelt es den beiden Hamburger Profi-Zauberern jedenfalls nicht.

Auf Hochzeiten, Geburtstagen, Betriebsfeiern oder öffentlichen Festen bringen die jungen Magier Karten zum Schweben, zaubern Münzen durch Tischplatten, zeigen Entfesselungskünste. Im Holiday Inn, dem Rotary Club oder der Hamburger Küche zogen sie Zuschauer bereits in ihren Bann, am heutigen Silvesterabend haben sie im Hotel Elysee ihren magischen Auftritt.

Vor drei Jahren trafen sich Sedat Ersakmak (27) und Frank Kim (29) erstmals in einem Zauberladen in Wandsbek. Dort verkauft Ersakmak seit vier Jahren Zaubertricks. Wenig später beschlossen sie, gemeinsam aufzutreten, gaben sich die Künstlernamen Kim & Sedat und gründeten die Firma A-Magic. Das A steht für das englische Wort "another" und soll auf ein andere, neue Art der Zauberei hindeuten, die Close-up-Zauberei. Im Gegensatz zur Bühnenzauberei führt der Magier seine Künste unmittelbar vor den Augen der Zuschauer vor - zum Beispiel am Tisch. "Die Idee kommt aus den USA, wir wollen sie in Deutschland salonfähig machen", sagt Kim.

Was sie zeigen ist ehrliches, sauberes Zauberhandwerk. Über Monate mühevoll antrainiert, bis ins Detail ausgefeilt. Ohne gezinkte Karten. "Für ein zehnminütiges Programm proben wir bis zu einem halben Jahr", sagt Sedat.

Schon seit zehn Jahren "verzaubert" der gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann seine Mitmenschen. "Ich hatte David Copperfield im Fernsehen gesehen und war fasziniert." Über Videos, Bücher, den Zauberhandel und Seminare eignen sich die beiden Magier neue Künste an und geben auch Unterricht (Näheres unter Tel. 544 888, Internet: www.a-magic.de). Zu ihrem Repertoire zählen auch die Bühnenzauberei, wie zum Beispiel Entfesselungskünste und das Zaubern vor Kindern. "Es reicht jedoch nicht, nur die Technik zu beherrschen. Wer seine Zuschauer verzaubern will, muss dem Trick eine persönliche Note geben, ihn in eine Geschichte kleiden", sagt Kim. Die Art der Präsentation erziele erst den Effekt.

Was die Begeisterung an der Zauberei ausmacht? "Wir stellen die Logik auf den Kopf", sagt Kim. "Die Leute gucken hin, sehen aber nicht, wie der Trick funktioniert und staunen. Die Täuschung findet einzig in ihren Köpfen statt."

Zu den Voraussetzungen des Zauberhandwerks zählen Kim & Sedat technisches Geschick, Geduld, eine kaufmännische Ausbildung, Ausstrahlung und die Begeisterung, Menschen zu unterhalten. "Sehr wichtig ist gutes Management. Dazu gehört neben kaufmännischem Wissen die Fähigkeit, für sich Werbung zu machen", so Sedat. Es gäbe viele gute Zauberer, aber nicht alle könnten sich verkaufen.

Wer die Kunst der Zauberei ernsthaft betreibt, ist zudem Mitglied im "Magischen Zirkel". In diesen elitären Verein - 1912 in Hamburg gegründet - werden nur Fortgeschrittene aufgenommen. Überhaupt scheint Deutschland ein Mekka der Zauberer zu sein: Etwa 85 so genannte Ortszirkel zählen zum "Magischen Zirkel". Und David Copperfield - so wissen Kim & Sedat - kauft hierzulande die meisten seiner Zaubertricks ein.