Abendblatt-Umfrage zum Verkehr in Hamburg[GEFÜLLTER KREIS] Viele sehen das Auto auch skeptisch [GEFÜLLTER KREIS] Lob für Bahnen und Busse

Stau - der Ärger Nummer 1

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scho Hamburg - Etwa 150 000 Hamburger, die mit dem Auto oder Bus zur Arbeit fahren - das sind 24 Prozent aller Erwerbstätigen - stecken dabei mindestens einmal in der Woche im Stau. Das ist das Ergebnis einer vom Hamburger Abendblatt beim Psephos-Institut in Auftrag gegebenen Umfrage. Heraus kam allerdings auch dies: Rund 180 000 der mit Auto oder Bus fahrenden Erwerbstätigen (28 Prozent) kommen ohne Stau durch. Unterstellt, dass auch die etwa 150 000 mit dem Auto anreisenden Pendler aus dem Umland auf Hamburgs Straßen Ähnliches erleben, würde sich die Zahl der im Stau Stehenden auf insgesamt 220 000 erhöhen. Problemlos kämen 240 000 durch.

Anlass für die repräsentative Umfrage unter den wahlberechtigten Hamburgern sind die andauernden Auseinandersetzungen um die von Bausenator Eugen Wagner (SPD) vorgelegte Verkehrsentwicklungsplanung. Vor allem CDU, Handelskammer und ADAC werfen Wagner vor, nicht genug für die Flüssigkeit des Straßenverkehrs zu tun.

Im Gegensatz zu manchen Kritikern der Wagnerschen Planung ergibt die Umfrage unter den Hamburgern ein durchaus differenziertes Bild vom Autoverkehr in der Stadt. Immerhin stimmen 88 Prozent der Frage "voll und ganz" (45 Prozent) und "überwiegend" (43 Prozent) zu, ob die stetig weiter wachsende Blechflut Menschen und Umwelt erheblich belaste. Dabei scheinen ältere und ganz junge Leute sowie Autobesitzer weniger problembewusst. Unterschiede gibt es auch unter den Anhängern der Parteien. So stimmen Sympathisanten der Grünen der Frage zu 69 Prozent "voll und ganz" zu, die der SPD zu 51 Prozent und die der CDU zu 34 Prozent.

Eine klare Abneigung zeigen die Hamburger gegen die Erhöhung von Parkgebühren in der Innenstadt. 60 Prozent lehnen sie ab, nur 34 Prozent sind dafür. Von den CDU-Anhängern sind sogar 75 Prozent dagegen und 23 Prozent dafür. Eine Mehrheit für höhere Gebühren findet sich mit 57 Prozent nur bei den Grünen-Anhängern. Völlig klar außerdem: Je mehr Autos in einem Haushalt vorhanden sind, desto geringer ist die Bereitschaft, mehr für Parken auszugeben.

Überwiegendes Lob spenden die Hamburger für Bahnen und Busse. Am besten schneidet dabei die U-Bahn ab: Zehn Prozent finden sie "sehr gut", 57 Prozent "gut". Nur jeder fünfte übt Kritik. Die Busse werden zu sechs Prozent mit "sehr gut" und zu 49 Prozent mit "gut" bewertet. 26 Prozent finden sie "weniger gut" und sieben Prozent "schlecht".

Schlusslicht ist zwar die S-Bahn. Aber auch sie bekommt von der Mehrheit positive Noten: sechs Prozent "sehr gut", 45 Prozent "gut". Auffällig: Bei Leuten über 65 Jahren ist die S-Bahn - 14 Prozent sagen "sehr gut" - äußerst beliebt. Größere Abneigung erfährt sie bei CDU-Anhängern und Leuten, die zwei und mehr Autos im Haushalt haben.

Die in der verkehrspolitischen Diskussion geäußerten Befürchtungen, die Innenstadt könnte eines Tages zu Lasten des Einzelhandels für den Autoverkehr gesperrt werden, verlieren in der Umfrage einiges von ihrem Schrecken. Grund: Bereits heute benutzen sieben von zehn Hamburgern öffentliche Verkehrsmittel: 57 Prozent fahren mit S- und U-Bahnen, 13 Prozent mit Bussen. Das gilt auch für die, die ein Auto im Haushalt haben. Auf alle Hamburger bezogen, fährt nur jeder Vierte mit dem eigenen Wagen in die City. Von denen, die zwei und mehr Autos besitzen, ist es aber jeder Zweite.

Was die Hamburger von Verkehrssenator Eugen Wagner halten, wie sie zur Wiedereinführung der Straßenbahn, zu mehr Tempo-30-Zonen, dem Ausbau der Radwege, mehr Fußgängerzonen, dem Anwohnerparken und P+R-Plätzen stehen, lesen Sie am Montag im Abendblatt.

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