Die Elbe ist jetzt tiefer - und der Hafen ist gerüstet für die Zukunft

Nach jahrelangem Tauziehen können jetzt die großen Pötte kommen. Bürgermeister Runde und Verkehrsminister Klimmt haben die vertiefte Fahrrinne der Elbe freigegeben.

Es nieselte, und Himmel und Wasser waren grau, doch das tat der Freude keinen Abbruch: Mit einem Festakt auf der Elbe haben Bürgermeister Ortwin Runde, Wirtschaftssenator Thomas Mirow und Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt gestern die vertiefte Fahrrinne für die Schifffahrt offiziell freigegeben. "Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen", bekannte Ortwin Runde und hatte gleich eine erfreuliche Nachricht parat: Die größte chinesische Cointainerschiff-Reederei Cosco wird ihre Europa-Zentrale nach Hamburg verlegen. "Im Jahr 2000 kommen dann auch die größeren Cosco-Schiffe", sagte Runde.

Knapp eine Stunde zuvor hatte der niederländische Saugbagger "Volvox Iberia" symbolisch die letzte Fuhre Sand vom Elbgrund heraufgeholt. Vom bundeseigenen Vielzweckschiff "Neuwerk" aus hatten die Politiker für die Freigabe der Fahrrinne ein Tau durchtrennt, das von den Schleppern "Twielenfleth" und "Hetlingen" über die Elbe gespannt war. Rund 200 geladene Gäste aus Hafenwirtschaft und Behörden beobachteten die Zeremonie von Bord des Fahrgastschiffes "Hamburg" aus, das Forschungsschiff "Wega" des Bundesamts für Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH) umkreiste das Geschehen, ein lang gezogenes Dröhnen aus dem Typhon grollte über das Wasser. "Damit haben die Tiefgangprobleme der Vergangenheit ein Ende. Ich bin mir sicher, dass dies weltweit als Zeichen für die Zukunftsfähigkeit des Hamburger Hafens und der Hamburger Hafen- und Lagerhaus AG verstanden wird", sagte HHLA-Chef Peter Dietrich. Verkehrsminister Reinhard Klimmt lobte die "außerordentlich schnelle Herstellung der Fahrrinnenanpassung" und die Zusammenarbeit der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes mit den Bundesanstalten für Wasserbau und Gewässerkunde. Für Wirtschaftssenator Thomas Mirow stand fest: "Das Zeitalter der Globalisierung hat gerade erst begonnen. Und die traditions- wie erfolgreiche Handelsstadt Hamburg hat die besten Aussichten zu den Gewinnern dieser neuen Epoche der Weltwirtschaft zu zählen."

Hamburg steht mit einem Umschlag von rund 80 Millionen Tonnen vor einem neuen Rekord. "Hamburg wird auch weiterhin nicht nachlassen, die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens zu sichern", versprach Ortwin Runde. Der Elbvertiefung waren jahrelange Auseinandersetzungen um Fragen des Natur- und Küstenschutzes vorausgegangen. Die Elbvertiefung war von der Hafenwirtschaft und den Reedern angemahnt worden, um den größten deutschen Seehafen auch für modernste Containerschiffe erreichbar und damit konkurrenzfähig zu halten. Die Fahrrinne der Elbe ist nun bis zu 15,30 Metern tief und kann unabhängig von den Gezeiten mit Schiffen von einem Tiefgang bis zu 12,80 Metern (vorher zwölf Meter) befahren werden. Der Bund zahlte für die Bundesstrecke zwischen Cuxhaven und der Hafengrenze Hamburgs 260 Millionen Mark, Hamburg bezahlte rund 30 Millionen Mark für die Strecke auf seinem Gebiet. Für Ausgleichsmaßnahmen sind 40 Millionen Mark eingeplant, Hamburg ist daran mit etwa 6,7 Millionen Mark beteiligt. eli