Kürschner in den Gärten des Orients

Von CAROLINE LAFRENZ

Er war einer der bekanntesten Kürschner der Welt: Dieter Zoern. Die Kreationen aus Zobel, Nerz und Fuchs des Hamburger Pelz-Zaren wärmten schöne und reiche Frauen in Paris, Mailand, London und New York. Über 40 Jahre feierte der Pelzdesigner große Erfolge. Dann prangerten Tierschützer sein Handwerk an - Zoern gab auf. Heute hat der 69-Jährige in einem neuen Beruf Erfolg - er ist Fotograf, gerade erschien sein erster Bildband: "Damals war ich gekränkt. Wenn man nicht mehr zeigen kann, was man sich erdacht hat - das ist bitter." Sein Laden an der ABC-Straße wurde geschlossen, er verließ Hamburg.

Dieter Zoern ging 1990 nach Marokko: "Ich wollte meine Wunden lecken." Nördlich von Agadir hatte er sich ein Fischerhaus gekauft: "Es war mal eine Räucherei für Sardinen." Liebevoll baute er das Haus um: "Die Räume sind mit orientalischen Möbeln eingerichtet, ich hatte nur einheimische Handwerker engagiert." Als Alterswohnsitz hatte er sich das Haus in Taghazout vorgestellt: "Nachdem alles renoviert war, fiel mir die Decke auf den Kopf." Er holte seine Kameraausrüstung aus dem Schrank: "Ich war in den 70er-Jahren auf einer Fotoschule, habe früher Mode- und Werbeaufnahmen gemacht." In Marokko begann er, das zu fotografieren, was ihn an dem Land so fasziniert: "Gärten und Architektur." Er bekam erste Aufträge für Hotelprospekte und Kataloge.

In seinem Kopf entstand die Idee zu seinem Buch: "Gärten des Orients - Paradiese auf Erden" (Dumont Verlag, 149 Mark). Zoern: "Der Verlag war sofort begeistert." Zwei Jahre reiste Dieter Zoern durch Marokko, Andalusien, Syrien, Pakistan und Indien. 70 Gärten sind in dem großen Bildband zu sehen, öffentliche und auch private.

"Die Suche nach den Gärten war mühsam und die Reisen bei 40 Grad Hitze auch anstrengend." Viele der privaten Gartenbesitzer sagten wieder ab: "Gerade einige Franzosen, die in Marokko Ferienhäuser haben, fürchten wohl die Steuerfahndung oder Einbrecher."

Lange überlegt hat auch sein berühmter Kollege, der Modeschöpfer Yves Saint Laurent, bevor er Zoern mit Kamera in den wunderschönen Garten seines Anwesens in Marrakesch hineinließ: "Vielleicht hat es doch ein wenig geholfen, dass wir uns von früher kannten."

Die besondere Schönheit der orientalischen Gärten beschreibt Zoern so: "Sie haben keine artigen Arrangements wie deutsche oder englische Gärten. Unkraut und verblühte Pflanzen gehören dazu. Das spiegelt das Neue und Vergehende wider." Typische Merkmale eines Gartens im Orient: "Die Aufteilung in vier bis acht Felder und die Kreuzung, auf der ein Springbrunnen steht. Wasser symbolisiert das Leben." Zoern plant neue Bücher. Sein Berufsgeheimnis macht er auch für seine neue Lebensaufgabe, die Fotografie, geltend: "Ich mache nichts, was ich nicht wirklich kann. Wenn man sich in seine Tätigkeit selbst verliebt, führt es in den Hohlweg."

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