Domaufbau, Boots-schau: Es gibt zu wenig Parkplätze

Alles steht - Verkehrsinfarkt rund um das Messegelände

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Der Schweiß steht ihm auf der Stirn. Erschöpft sieht der Student aus, wie nach einem Marathonlauf. Dabei ist Lars Meiners nur Auto gefahren. Das erfordert dieser Tage besondere Kondition. Erst stand der 27-Jährige aus Harburg eine Stunde vor dem Elbtunnel im Stau, danach suchte er eine halbe Stunde lang einem Parkplatz.

Meiners will zur Hamburger Bootsmesse, jetzt steht der Hobbytaucher endlich vor der Kasse und tupft sich mit einem Taschentuch trocken: "Das hier ist der Wahnsinn", sagt er und deutet auf die Blechlawine hinter sich.

Auf der Rentzelstraße rollen Meter für Meter, Stoßstange an Stoßstange die Autos im Schritttempo voran. Silvia Stammer brauchte knapp drei Stunden von Braunschweig nach Hamburg, 35 Minuten suchte sie einem Parkplatz. Die Tankstellenpächterin stellte ihr Auto schließlich entnervt auf dem benachbarten Parkplatz der Deutschen Bahn ab. "Ich weiß gar nicht, ob ich das darf", sagt die 43-Jährige und zuckt mit den Schultern. "Hoffentlich werde ich nicht abgeschleppt."

Auswüchse des akuten Parkplatzmangels. Da die Schausteller den Dom aufbauen, steht das Heiligengeistfeld nicht wie sonst als kostenpflichtiger Parkplatz zur Verfügung. "Wir haben getan, was wir konnten", sagt Messesprecherin Angelika Schennen. Zusätzlich zum Messeparkplatz wurde das Parkhaus am Rödingsmarkt angemietet und ein Shuttleservice eingerichtet.

Der HVV bietet ermäßigte Fahrscheine an, und der U-Bahnhof liegt direkt am Messeeingang - dennoch fuhr an den ersten fünf Messetagen ein Großteil der 73 000 Besucher mit dem Auto vor. "Bei der Parkplatzsuche verstopfen sie auch noch die Seitenstraßen", sagt Polizeioberrat Stefan Schneider, Leiter der zuständigen Polizeiwache 14. Fertig ist das tägliche Verkehrschaos: An der Kreuzung Rentzelstraße/Schröderstiftstraße geht wegen der hanseboot nichts mehr. Der Rückstau reicht auf der Verbindungsbahn bis zur Edmund-Siemers-Allee. Beim Linksabbiegen auf die Rentzelstraße stauen sich die Autos weit in die Kreuzung hinein und behindern den Querverkehr.

Warum lässt die Polizei keine Schutzmänner den Verkehr regeln, die das bei hohen Aufkommen besser könnten als die Ampelschaltung? "Das Problem liegt bei den Autofahrern, nicht bei der Ampel", sagt Schneider; das Blockieren der Kreuzung kann als Ordnungswidrigkeit mit 20 Mark Bußgeld geahndet werden. Thomas Kraus, der verkehrspolitische Sprecher des ADAC, hingegen vermutet, dass den Beamten "das Personal fehlt". Krause benennt weitere Gründe für den Verkehrsinfarkt rund um die Messe. Die Hinweisschilder auf Parkmöglichkeiten seien nicht ausreichend. Der Shuttlebus sei unsinnig, weil er zu wenig beworben werde.

Also sind die Mitarbeiter der Verkehrsleitzentrale gefordert: Per Videokameras beobachten sie viel befahrenen Kreuzungen und steuern bei Bedarf die Ampelschaltungen, wenn nichts mehr geht. In der Hauptverkehrszeit beispielsweise sollen die grünen Ampelphasen auf den Hauptverkehrsstrecken länger sein als auf den so genannten Querverkehrsstrecken. Sind Letztere völlig überfüllt, wird entgegengesetzt geschaltet: Die Rotphasen auf den Hauptstrecken werden verlängert.

Diese Erfahrung hat Fotograf Michael R. gemacht. Seit sechs Jahren fährt er täglich von Niendorf in die City. "Auf der Kollaustraße ist seit Montag stadteinwärts die Ampelphase kürzer geschaltet", hat er beobachtet, "und dadurch staut sich der Verkehr. Unverständlich, denn auch nach den Stoßzeiten sind noch viele in Richtung Innenstadt unterwegs."

Für Günter Dorigoni, den Verkehrsexperten der Handelskammer, ist die Ampelregulierung "Flickschusterei". Er sieht nur einen Ausweg aus dem Dilemma. Die "übergeordneten Verkehrsprobleme" müssten gelöst werden. Nicht kurze Grünphasen und fehlende Abbiegespuren seien das Problem: "Es gibt noch keinen vernünftigen Ring 2 und keine Hafenspange." ph/vldu/BA

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