Sportdirektor Heiner Zarnack zur Lage bei den BCJ Tigers

Nicht auf die eigene Propaganda reinfallen!

rg Hamburg - "Wir leiden darunter, dass irgendwelche Trottel Erwartungen geweckt haben, die uns jetzt zwingen zu erklären, warum wir bei einer Mannschaft wie Leverkusen verlieren, bei denen mit Steven Hutchinson einer der besten Spieler der vergangenen Saison auf der Bank sitzt. Dabei ist es das Normalste auf der Welt, dass wir als Aufsteiger dort kaum eine Chance haben." Das sagte Heiner Zarnack (48), Sportdirektor der BCJ Tigers, mit dem Abstand von zwei Tagen nach der 77:101-Niederlage der Hamburger in der Basketball-Bundesliga beim 14-maligen Deutschen Meister.

Es sei überflüssig gewesen, vor allem nach der 38:37-Halbzeitführung, am Ende mit 24 Punkten Differenz aus der Halle gegangen zu sein: "Zehn hätten es auch getan." Ein Team wie Leverkusen, so Zarnack, verfüge aber nun mal über mehr Substanz und Erfahrung, "die wir uns in dieser Saison erst hart erarbeiten müssen".

Der Sportdirektor hält wenig von den bisherigen Spekulationen über die Platzierung am Ende der Serie. "Es spielt doch keine Rolle, ob wir nun Sechster, Achter oder Zwölfter werden. Als Aufsteiger hat man die erste Saison zu überleben. Das ist schwierig genug." Weit wichtiger sei es zunächst, "dass wir unsere Halle voll kriegen und Erstliga-Basketball in Hamburg etablieren können".

Die Mannschaft sei gut genug, dieses Ziel zu erreichen. Sie dürfe sich jedoch nicht mit unrealistischen Vorgaben zu stark selbst unter Druck setzen. Zarnack: "Es ist das eine, was man öffentlich sagt, und das andere, was man davon glaubt. Wir sollten nicht den Fehler machen, auf die eigene Propaganda reinzufallen."

In den ersten drei Bundesligaspielen hat der Sportdirektor durchaus positive Entwicklungen registriert. Die Integration des Spielmachers Harold Deane mache Fortschritte, der Eingliederungsprozess sei natürlich längst nicht abgeschlossen. Und in Leverkusen hielten sich zudem die Ballverluste in Grenzen. "Eine Mannschaft wie die unsere, die schnell und riskant spielt, wird in diesem Bereich immer eine höhere Fehlerquote haben. Wir dürfen das nur nicht übertreiben", sagt Zarnack. Sein Fazit: "Wenn wir begreifen, dass wir am nächsten Sonnabend Vizemeister Bonn nicht mit 30 Punkten Unterschied aus der Halle schießen müssen, sondern dass schon ein knapper Sieg reicht, sind wir einen entscheidenden Schritt weiter."

[GEFÜLLTER KREIS] Morgen, 19 Uhr, testen die BCJ Tigers die Bedingungen in der Sporthalle Hamburg gegen den Zweitligaklub Quakenbrück. Für das Spiel gegen Bonn (Sa., 20 Uhr) plant Manager Carsten Rühl Aktionen in Hamburger Schulen.

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