Tschechows Einakter "Der Heiratsantrag" und "Der Bär" hatten Premiere in Winterhude

Die Qualen des Mannes, der ein Weib hat

Von BRIGITTE EHRICH Hamburg - Mit drei amüsanten Lektionen über Eheleute und solche, die es werden wollen, nimmt Rolf Mares Abschied von der Komödie Winterhuder Fährhaus. Die letzte Premiere unter seiner zehnjährigen Ägide war schon lange sein spezieller Wunsch: Anton Tschechows Einakter "Der Heiratsantrag" und "Der Bär", die auf der Bühne häufig miteinander kombiniert werden.

Hinzu kommt hier nun noch der "Vortrag über die Schädlichkeit des Tabaks". Insgesamt ein launiges Vergnügen mit einem deftig komödiantischen Hauptdarsteller in allen drei Stücken: Peter Bause.

Als Fingerübungen, als effektvolle Etüden für die Charaktere seiner großen Dramen wie "Die drei Schwestern" oder "Onkel Wanja" kann man die Einakter Tschechows betrachten, die er 1888 schrieb. Da sind die Figuren noch nicht von Melancholie, von unerfüllten Sehnsüchten überschattet; da geht es durchaus herzhaft zur Sache. Maxim Gorki sagte über Tschechow: "Er lachte durch Tränen." Und so will auch Regisseur Christoph Brück seine Inszenierung verstanden wissen - Komik und Tragik ganz nah beieinander, wobei die Komik bei ihm eindeutig überwiegt.

Das ist insbesondere Peter Bause zu verdanken, ehemals einer der populärsten DDR-Schauspieler, der mit selbstgerechtem Starrsinn, explodierender Wut und leidvoller Resignation die Qualen des Mannes schlechthin demonstriert, der mit einem Weib geschlagen ist.

Mit dem "Heiratsantrag" landet er als hypochondrischer Lomow gerade bei der Richtigen: Natalja ist nicht unwillig, doch bevor der Brautwerber überhaupt seinen Antrag bei ihr loswerden kann, sind die beiden schon in den schönsten Zank verstrickt.

Erst geht es um eine Wiese, dann um einen Jagdhund - und nur der Ruf des Papas (Utz Richter) nach Champagner rettet noch die Aussicht auf eine - garantiert zänkische - Ehe.

In der Idylle des stimmungsvollen Birkenwald-Bühnenbilds von Ursula Wanda-Ress entwickelt sich ein hinreißend komischer Zweikampf, in dem Saskia Fischer als Natalja selbstbewußt und streitlustig dagegenhält - bis zum hysterischen Zusammenbruch des befrackten Heiratskandidaten: "Mein Herz rast, mein Bein ist gelähmt!"

Auch "Der Bär" gerät in einen deftigen vorehelichen Disput. Als Gutsbesitzer Smirnow, der Schulden bei der trauernden Witwe Jelena (Saskia Fischer, diesmal herablassend wütend) eintreiben will, braust Bause zu überschäumender Ekstase auf: Das Weib will sich mit ihm duellieren - soll es doch, auch wenn er ihm das Schießen erst beibringen muß. "Für mich gibt es kein schwaches Geschlecht. Die knall' ich schon aus Prinzip ab!"

Smirnows Tirade gegen die Frauen - Waschweiber, Giftspritzen, verlogen, untreu - ist so zeitgemäß wie der Geschlechterkampf. Bause, mit rotem Stoppelhaar und großer Lust am derben Schwank, verzichtet dabei auf psychologische Raffinesse. Er steigert sich in eine cholerische Raserei hinein, die mit einem gewalttätigen Kuß endet.

Zwischen die beiden Einakter schiebt Christoph Brück den Monolog des Iwan Iwanowitsch Njuchin, der auf Wunsch seiner Frau einen Vortrag über die Schädlichkeit des Tabaks halten soll, dabei aber immer weiter abschweift in die Schädlichkeit seiner Ehe mit einer übellaunigen, herrischen Gattin.

In diesem kleinen Aperçu über die Vertracktheiten der Zweisamkeit wird Bause zur getretenen Kreatur mit bemitleidenswert schwachem Widerspruchsgeist. Viel Beifall für ihn und das ganze Ensemble.