Harburger Velorouten-Projekt

Qualität durch Detailarbeit

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ANDREAS GÖHRING

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Harburg - Radfahren im Bezirk Harburg soll attraktiver werden. Das hat sich die rotgrüne Koalition auf die Fahnen geschrieben. Zusätzliches Geld gibt es für dieses Vorhaben allerdings nicht. Doch sinnvolle Verbesserungen sind auch durch unermüdliche Detailarbeit zu erreichen. Den Beweis tritt eine Gruppe von Harburgern an, die sich unter der Leitung des SPD-Bezirksabgeordneten und Verkehrs-Experten Frank Wiesner für die Radfahrer engagiert.

Das Engagement des "Velorouten-Projekts" besteht vor allem aus Radfahren. Wiesner und seine Mitstreiter werden bald jeden Meter Radweg in Wilhelmsburg, Harburg und Süderelbe kennen, sie werden wissen, wo Radwege fehlen, wo es Hindernisse gibt, wo Gefahren lauern. Dies alles werden sie zu Protokoll nehmen und anschließend Vorschläge für Verbesserungen erarbeiten.

Wiesner: "Es geht nicht um ein völlig neues Netz von großzügig angelegten Radwegen. Dazu fehlt das Geld." Vielmehr würden qualitativ höherwertige Radwege angestrebt, die ein möglichst zusammenhängendes Netz ergeben. Angestrebt werde auch eine Ausschilderung, die den Radfahrern auf größeren Strecken die Orientierung erleichtere. "Dabei wird nicht unbedingt die kürzeste Route vorgeschlagen", sagt Wiesner. Es gelte die Regel: zehn Prozent Umweg sind zuzumuten, wenn dadurch das Radfahren bequemer und sicherer wird. In Einzelfällen könnten es auch mal bis zu 20 Prozent Umweg sein.

Grundlage der Erkundungsfahrten ist eine Route, die Tiefbauamt, Baubehörde und die Fahrradbeauftragte des Senats vorgeschlagen hatten. Sie führt aus der Hamburger City über Veddel, Niedergeorgswerder Deich, Einkaufszentrum Wilhelmsburg, Prassekstraße, Kornweide, Süderelbbrücke, Harburger Binnenhafen zur neuen Straße in Harburg. Da es einige Schwierigkeiten bei der Durchquerung des Binnenhafens gibt, wurde diese Route später im südlichen Teil auf die Hannoversche Straße verlegt. Hier gibt es indes im wahrsten Sinne des Wortes auch Stolpersteine. Wiesner: "Die Radweg an der Hannoverschen Straße sind in einem erbärmlichen Zustand."

Die Velogruppe hat diese Route inzwischen genauer unter die Lupe genommen. Dabei fand sie eine Variante heraus: Im südlichen Wilhelmsburger Teil könnte die Route ein Stück nach Osten verlegt werden. Dabei könnten ein paar Ampeln umgangen werden. Ein paar kosmetische Korrekturen würden die Route weiter verbessern. Wiesner: "An zwei Stellen müßten die Bordsteinkanten abgesenkt werden." Solche Verbesserungen sollen in Zusammenarbeit mit der Tiefbauabteilung des Bezirksamts Harburg auf dem kleinen Dienstweg geregelt werden. Dafür, so Wiesner, brauche man keinen Extra-Etat.

Als nächstes soll eine Veloroute zwischen Harburg und Neugraben und weiter nach Neu Wulmstorf und Finkenwerder ausgearbeitet werden. Eine Vorgabe liegt auf der Hand: Die vielbefahrene B 73 soll möglichst gemieden werden. Durchatmen empfiehlt sich an dieser Hauptverkehrsstraße nicht gerade, außerdem birgt sie gerade für Radfahrer ungezählte Gefahrenquellen. Eine südliche Umgehung bietet sich wegen der Steigungen in den Harburger Bergen auch nicht an, also wird eine Route nördlich der Bahn gesucht. Die Fahrradgruppe trifft sich dazu am Sonnabend, 10. Juli, 15 Uhr, am S-Bahnhof Neuwiedenthal.

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