Bremer Lagerhaus und Hamburger Eurokai gründen Eurogate

Europas größte Hafenfirma

rz Bremen/Hamburg - Eurokai-Chef Thomas Eckelmann strahlte über das ganze Gesicht. "Es ist ja auch selten, dass man bei einer Geburt direkt dabei sein kann", flachste der Hamburger Hafen-Unternehmer gestern in Bremen. Zusammen mit Emanuel Schiffer wird er künftig als Doppelspitze Europas größtes Umschlagunternehmen, die Eurogate KGaA & Co KG, leiten. Die Fusion mit dem Containerbereich der Bremer Lagerhaus (BLG) hatte Eckelmann bereits vor vier Jahren unter dem Tarnnamen "Hittfeld 95" im dortigen Golfclub angeregt. Nach einem "sechsstündigen Notar-Marathon" ist sie nun, rückwirkend zum 1. Januar 1999, Wirklichkeit. Für BLG-Chef Detthold Aden, der dem Eurogate-Aufsichtsrat vorsitzt, ein "Meilenstein in der Entwicklung der Häfen Hamburg und Bremen".

Mit dem Vorteil, Reedern Liegeplätze in beiden großen deutschen Häfen anbieten zu können, sieht Schiffer Eurogate vor allem für den Wettbewerb mit Rotterdam, Antwerpen oder Felixstowe gerüstet. "Wir sehen Hamburg und Bremen als einen Terminal, haben an beiden Standorten die gleiche EDV und übernehmen den Weitertransport, egal in welchen Hafen die Container angeliefert werden." Dafür werden auch die Bahn-, Lkw- und Schiffszubringerdienste von BLG und Eurokai zusammengelegt. Alles soll helfen, im internationalen Wettbewerb der Terminals kostengünstig anbieten zu können.

Zudem erhält Eurogate, an dem Eurokai und BLG je 50 Prozent halten, mit rund 4000 Mitarbeitern, einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Mark und einem 1999 angepeilten Umschlag von 6,3 Millionen TEU mehr Gewicht gegenüber den immer größeren Reederei-Konsortien. "Das Zusammengehen ist so logisch", so der Hamburger Bankier Max M. Warburg, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Eurogate-Holding.

Mehr als drei Millionen TEU Umschlag kommen allein von den italienischen Terminals in La Spezia und Gioia Tauro, an denen Eurokai bisher zu einem Drittel beteiligt ist. "Der Anteil könnte aber schon in kurzer Zeit ausgeweitet werden", sagte Eckelmann. Neben der stärkeren Anbindung der Nordsee- mit den Mittelmeerhäfen sieht Eurogate Chancen in Klaipeda (Litauen) und im brasilianischen Sepetiba, 70 Kilometer südlich von Rio. Dort sind Managementverträge für Terminals mit der Option von Beteiligungen unterschrieben. Ende Oktober soll zudem eine Studie über die Chancen eines Terminals in Wilhelmshaven vorliegen. Eine Option, die sich Eurogate offen halten will.

Insgesamt soll das Wachstum des neuen Containerriesen künftig über den sechs bis acht Prozent liegen, die weltweit im Umschlag erwartet werden. Schon weil Hamburg, Bremerhaven sowie Gioia Tauro zu den 20 größten Containerhäfen zählen. Auf Grund des Zuwachses würden durch den Zusammenschluss keine Arbeitsplätze wegfallen, sagte Eckelmann.

Sitz der Eurogate-Holding ist Bremen. Der Firmenwert beträgt 700 Millionen Mark, das Gesellschaftskapital 80 Millionen Euro (156,46 Millionen Mark). Für 2004 ist ein Börsengang geplant. Als Wertausgleich erhält die BLG über fünf Jahre hinweg insgesamt 21 Millionen Mark.

Eine Partnerschaft mit der Hamburger Hafen- und Lagerhaus-AG (HHLA) stehe derzeit nicht zur Debatte, so Eckelmann. Die stadteigene HHLA hatte zuvor ebenfalls über eine Kooperation mit der BLG verhandelt, kam aber über Vorgespräche nicht hinaus. Immerhin hatte der HHLA-Zugewinn von rund 200 000 Containern im Herbst 1998 dazu geführt, dass sich Eurogate ein Jahr früher als geplant konstituierte. Nun soll zunächst konsolidiert werden. Die Gespräche mit Hamburg als HHLA-Gesellschafter ruhen. Eckelmann: "Es gibt keine Ansprache."

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