Aids-Skandal: Bluter verlangen Entschädigung

Fünf Jahre nach dem Aids-Blut-Skandal verlangen nun 3000 Bluter-Kranke, die sich durch Gerinnungspräparate mit Hepatitis C infiziert haben, von deutschen Pharma-Unternehmen eine Entschädigung. "Die Produkte wurden zwischen 1976 und 1984 aus den USA importiert und dort nicht mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln getestet", erläuterte Klaus Poek von der Deutschen Hämophilie-Gesellschaft (DHG, Hamburg).

In Deutschland seien entsprechende Blut-Präparate in diesem Zeitraum mit dem so genannten ALT-Test untersucht worden, der ein Infektionsrisiko zwar nicht ausschließen, aber mindern könne, sagte Poek zu den Vorwürfen, über die das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet hatte. Diese Test-Standards seien aber nicht eingehalten worden. Bislang gebe es mit der Arbeitsgemeinschaft Plasmaderivate herstellender Unternehmen keine Einigung, sagte der Hamburger Anwalt der DHG, Jürgen Schacht. Sollte es zu keinem Ergebnis kommen, werde es ähnlich wie beim Aids-Blut-Skandal eine Prozesswelle geben, kündigte er an.

Von der Arbeitsgemeinschaft ebenso wie vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) war gestern keine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu erhalten.

Die Bayer AG in Leverkusen, die ebenso wie Baxter und Pharmacia & Upjohn zu den Adressaten des DHG-Vorstoßes gehört, wies einen Haftungsanspruch indes bereits zurück.

Unklar ist bislang, ob es im kritisierten Zeitraum eine rechtlich bindende Vorgabe des Bundesgesundheitsamtes als damals zuständiger Bundesbehörde gegeben hat, die den ALT-Test auch für importierte Blutprodukte vorschrieb.

Das Paul-Ehrlich-Institut (Langen) als BGA- Nachfolgebehörde konnte zur damaligen Rechtslage zunächst keine Angaben machen. dpa