Die "kleine" Pulver und ihre Freunde

Von CAROLINE LAFRENZ Sie ist die kleine Schwester von Lilo Pulver, und ihr Leben ist wie ein Roman: Corinne Pulver. Die Schweizer Autorin und Filmemacherin hat jetzt ein Buch über ihre Männer, ihren Beruf, ihr bewegtes Leben geschrieben. In Hamburg stellte sie es vor: "Karriere oder Die Liebe ist ein seltsam' Ding" (Herbig, 39,90 Mark).

Die Anregung zu dem Buch kam von ihren Töchtern Ninon und Manon. "Sie meinten, mein Leben wäre genial. Auf langweiligen Partys würden sie ihren Freunden von meinen Erlebnissen berichten, die die jungen Leute irrsinnig spannend fänden." Zwei Jahre hat Corinne Pulver, die in der Nähe des Genfer Sees lebt, an ihrer Autobiographie gearbeitet. Und enthüllt vieles, was Familie, Freunden und den Ex-Geliebten nicht gefällt: "Auch meine Töchter mögen nicht, was ich über ihre Väter geschrieben habe. Die Familie sieht sich anders."

Ninon ist die Tochter von Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld, der Mann der Corinne Pulver am meisten prägte und während der Schwangerschaft betrog. Der Vater ihrer zweiten Tochter Manon, Star-Regisseur Michael Pfleghar, erschoß sich im Juni 1993.

Einen Skandal löste Corinne Pulver, die die erste deutsche Fernseh-Redakteurin war und viele Dokumentarfilme drehte, schon einmal mit einem Buch aus. 1989 schrieb sie über den Selbstmord ihrer Nichte Melisande, der Tochter von Lilo Pulver. Heute ist der Zwist, der die Pulver-Schwestern damals entzweite, vergessen: "Für mich war das Buch eine Therapie. Und meine Schwester sieht jetzt auch, daß es wichtig war. Die letzten neun Monate verbrachte Melisande bei mir, hätte ich nicht über diese Zeit geschrieben, wäre sie vergessen." Corinne Pulver ist heute die einzige, mit der Lilo Pulver über den Tod der Tochter spricht.

Mit ihren Erinnerungen lebt Corinne Pulver täglich: "Ich habe ein Gedächtnis wie eine Bibliothek. Oft liege ich im Bett und denke an die Menschen, die mir nahe sind, die sich mir geöffnet haben." Das war der weltberühmte Maler und Bildhauer Max Bill, dessen Privatsekretärin sie war: "Ein wunderbarer Chaot." Ingeborg Bachmann, die Freundin von Max Frisch, war sogar eifersüchtig auf Corinne Pulver, die die Muse vieler Dichter und Denker war.

Martin Walser war ihr Geliebter: "Ich habe viel von ihm gelernt. Wenn er anrief und mir sagte, meine Stimme klinge noch wie vor 30 Jahren, dann schwebte ich auf Wolken." Zwischen ihr und Literatur-Kritiker Marcel Reich-Ranicki habe es geknistert: "Ein geistreicher Mann."

Was das Besondere an ihren Begegnungen war: "Es waren keine Bettgeschichten. Es war der absolute Austausch. Ich konnte Menschen studieren." Was die Autorin Frauen sagen möchte: "Privates Glück gibt die nötige Kraft für beruflichen Erfolg. Wenn Frauen zu Karrieremonstren werden, hat die Emanzipation versagt." Sie selbst habe "ihre innere Ruhe gefunden", lebt heute mit Kameramann Paul Motzko zusammen.

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