Expertenanhörung

Thema Verkehr - Ohrfeige für die Handelskammer

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Zu einer Ohrfeige für die Handelskammer wurde eine Expertenanhörung im Verkehrsausschuß der Bürgerschaft. Den zur Diskussion stehenden Kammer-Bericht "Wege zu Wachstum und Wohlstand" kritisierten die Sachverständigen als unwissenschaftlich. Die Verkehrsprognose sei falsch, die Forderungen zum Teil unsinnig und die Kostenkalkulation unrealistisch. Die stärkste Kritik kam von den Gutachtern Stefan Rommerskirchen (Prognos AG, Basel) und Prof. Eckhard Kutter (TU Harburg).

Ende 1998 hatte die Handelskammer den Bericht vorgelegt. Danach wächst der motorisierte Individualverkehr in Hamburg zwischen 1990 und 2010 um etwa 28 Prozent. Dabei geht die Kammer von der Gleichung "Wirtschaftswachstum gleich Verkehrszunahme" aus. Gutachter Rommerskirchen sagte dazu ironisch, das sei, als würde man die Flugstunden von Störchen mit der Geburtenrate bei Menschen in Beziehung setzen. Die Baubehörde geht von einem Anstieg von nur 14 Prozent aus.

Auf der Grundlage ihrer Prognose fordert die Handelskammer in erster Linie einen Ausbau des Ringsystems. "Der Ring 3 muß überall vierspurig werden", sagte Reinhard Wolf, Leiter des Bereichs Verkehr und Tourismus bei der Handelskammer. Außerdem solle der Ring 2 kreuzende Hauptstraßen in Zukunft auf Brücken über- oder in Tunneln unterqueren. Die geforderten Maßnahmen würden 500 Millionen Mark kosten, so Wolf.

Bei Bausenator Eugen Wagner sorgte diese Zahl für helle Freude. Wenn die Handelskammer immer so billig baue, solle sie doch öfter mal für die Baubehörde tätig werden, so der Senator. Experten rechnen mit weitaus höheren Kosten.

"Das würde eher das Zehnfache kosten", sagte der Ausschußvorsitzende Martin Schmidt (GAL), der die Angaben der Handelskammer als "kabbalistische Zahlenspiele" bezeichnete.

Der so gescholtene Handelskammer-Syndikus Wolf gab die Kritik postwendend an die Gutachter zurück: "Die Wissenschaft irrt doch viel zu häufig. Die Prognosen stimmen fast nie, und nachher wird uns wissenschaflich erklärt, warum sie nicht gestimmt haben."

Das allerdings bestritt Gutachter Rommerskirchen. Prognosen riefen schließlich politische Handlungen hervor, so der Experte. Und die veränderten die Verkehrsentwicklung eben wieder. jmw

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