Innenbehörde baut die blauen Schilder ab: Radler haben jetzt die freie Wahl

Rückzieher: Radfahren auf 36 Straßen wieder erlaubt

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Von HEIKE MÜLLER Radfahrer dürfen auf 36 Hamburger Straßen bald wieder neben den Autos fahren. Die Innenbehörde hob die Benutzungspflicht für Radwege auf diesen Straßen auf. Die Radwegschilder, die die Stadt im vergangenen Herbst aufstellen ließ, werden dort wieder entfernt. Der Radfahrer kann dann entscheiden, ob er auf der Fahrbahn oder dem Radweg sicherer fährt.

"Ein Vorteil für die Radfahrer", findet Ulf Dietze, Hamburger Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Mit einer Eingabe an die Bürgerschaft veranlaßte er die Innenbehörde, insgesamt 97 Straßen zu überprüfen. Dietze: "Wir wollen niemand auf die Fahrbahn zwingen, aber wir wollen die Wahlmöglichkeit."

Der Streit um die Radwege begann mit der sogenannten Fahrrad-Novelle, die seit Oktober vergangenen Jahres bundesweit den Fahrradverkehr fördern sollte. Seitdem müssen Radfahrer nur noch gekennzeichnete Radwege benutzen. Andernfalls können sie auf die Straße ausweichen. Das blaue Schild sollten nur Radwege erhalten, die bestimmte Kriterien erfüllen: mindestens 1,50 Meter Breite, ebene Oberfläche, gerader Verlauf. Laut ADFC fallen 80 Prozent der Hamburger Radwege durch, aber die Innenbehörde nahm die Kriterien nicht so genau. Sie kennzeichnete fast alle und, laut Dietze, "den letzten Müll" als benutzungspflichtig. "Wir hatten wenig Zeit für die Beschilderung," erklärt Jörn Lamprecht von der Innenbehörde. "Wir haben erst mal für die Verkehrssicherheit entschieden. Jetzt sehen wir in Ruhe die Dinge an und revidieren vielleicht einiges." Dagmar Meyer, Fahrradbeauftragte der Baubehörde, freut sich über die Änderung: "Es war ja im Sinne der Gesetzesnovelle, daß der Radfahrer mehr Wahlfreiheit bekommt."

Die Bezirksämter haben zum Teil schon auf die Anordnung reagiert und Schilder entfernt. Auf dem Elligersweg in Barmbek und dem Eichenlohweg in Steilshoop ist Radfahren auf der Straße wieder erlaubt.

An der Holsteiner Chaussee in Eidelstedt stehen die Schilder noch - wahrscheinlich nicht mehr lange. "Der Radweg ist schmal und zugewachsen", sagt Anwohnerin Karin Wolters. "Die Radfahrer gefährden auch die Fußgänger." Voraussichtlich werden noch mehr als die jetzt freigegebenen 36 Straßen für Radfahrer geöffnet. Die Ampeln an zwölf weiteren Straßen programmiert die Baubehörde demnächst um. Wenn die Schaltungen auf Radfahrer eingestellt sind, fallen auch dort die Radwegschilder.

Matthias Schmitting, Sprecher des ADAC Hamburg, sieht die Entscheidung kritisch: "Das ist ein elegantes und billiges Mittel für die Stadt, um Fahrradwege nicht mehr instand setzen zu müssen."

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