Sieben homosexuelle Paare heirateten auf dem Standesamt Eimsbüttel

Hamburger Ehe: Das erste Jawort

Von SUSANNE DORN Bezirksamt Eimsbüttel, gestern um 10.50 Uhr: Ein weißer Straßenkreuzer mit Herz-Luftballons und ein schwarzer offener Jeep mit einem Blumen-Bouquet und Regenbogenfähnchen fahren am Grindelberg vor - ein lesbisches und ein schwules Liebespaar steigen aus. Sie sind auf dem Weg zum Standesamt, um sich dort ihre Partnerschaft urkundlich bestätigen zu lassen und sich das Jawort zu geben.

Sieben Liebespaare, drei lesbische und vier schwule, werden von Freunden und Verwandten, dem Leiter des Standesamtes, Rolf Paschen, Gleichstellungssenatorin Krista Sager und einem Großaufgebot von Pressevertretern in Empfang genommen. Ein Frauenchor singt "Top of the world", die Frühlingssonne meint es gut mit den Verliebten.

Paschen spricht von einem denkwürdigen Tag, aber auch von den Schwierigkeiten, die es im Vorfeld der eingetragenen Partnerschaft gegeben hat. "Wir hatten Fragen zur Form und zum Inhalt, haben ein Partnerschaftsbuch neu geschaffen und uns schließlich für Urkunden entschieden." Im Kreise der Standesbeamten habe es gewisse Vorbehalte zu dem am 8. April von der Hamburger Bürgerschaft verabschiedeten Gesetz für die eingetragene Partnerschaft gegeben - nicht zuletzt wegen der zusätzlichen Arbeit für seine Mitarbeiter, die stellvertretend für alle Hamburger Standesämter die Registrierungen vornehmen.

Der Standesbeamte: "Auch wenn mit der Registrierung weder Rechte noch Pflichten verbunden sind, wird das historische Ereignis nicht abgewertet. Ein neuer, richtiger Weg wird eingeschlagen." Und an die lesbischen und schwulen Paare gewandt: "Sie setzen ein unübersehbares Zeichen für den Bundesgesetzgeber, der jetzt gefordert ist, sehr bald aktiv zu werden." Dann spricht Paschen die Paare einzeln an: "Sie beide erklären, daß Sie eine auf Dauer angelegte Partnerschaft eingegangen sind, und beantragen, diese in das Partnerschaftsbuch einzutragen." Nach dem einmal mehr, einmal weniger lauten "Ja" setzen die Partner ihre Unterschriften unter eine Urkunde. Die meisten tauschen Ringe aus, einige Paare werfen gleich zwei Brautsträuße in die Gästeschar.

Krista Sager geht es so wie den meisten im Saal: Sichtlich gerührt verfolgt sie die Zeremonie und verteilt anschließend rote Rosen an die Paare, unter ihnen Mariam Thiam (21) und Rita Derschum (31). Seit vier Jahren kennen sie sich, seit drei Jahren leben sie zusammen. Mariam Thiam: "Darauf habe ich gewartet, diese Frau wollte ich schon lange heiraten. Das ist ein wichtiger, ganz besonderer Tag."

Dem konnten auch Rainer Kühnert (27) und Partner Günther Blöchl (49) nur zustimmen. "Wir waren sehr bewegt und sind sehr glücklich. Es ist ein tolles Gefühl, füreinander bestimmt zu sein", so Kühnert. Die GAL-Fraktion gratuliert den um die Wette strahlenden Paaren mit einer Hochzeitstorte. Strahlen auch bei Vertretern des Lesben- und Schwulenverbandes, der GAL und dem SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Lutz Kretschmann. Dennoch: Einigkeit bestand bei allen darin, daß das Hamburger Modell nur ein erster Schritt auf dem Weg zur rechtlichen Gleichstellung und gesetzlichen Absicherung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften ist.