Alle vier Insassen bei Absturz im Wald getötet - Pilotenfehler?

Der Todesflug des Lufttankers

Es begann als Routineflug und endete in einer Katastrophe: Beim Absturz eines US-Tankflugzeugs am Awacs-Stützpunkt der NATO in Geilenkirchen bei Aachen kamen offenbar alle vier Insassen ums Leben. Ein Pilotenfehler? Die Maschine soll in einer steilen Kurve plötzlich abgekippt sein.

dpa/ap Aachen - Am Tag nach dem Absturz suchten Rettungsmannschaften die Trümmer im Wald vergebens nach Überlebenden ab. Zwei Soldaten waren tot geborgen worden, die Suche nach den übrigen zwei Insassen wurde nach 20 Stunden eingestellt. Beide sind möglicherweise bei der Explosion verbrannt.

Unklar ist, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Amerikanische und deutsche Spezialisten sollen jetzt herausfinden, warum die Maschine nahe dem NATO-Flugplatz - nur 300 Meter von der kleinen Gemeinde Hohenbusch entfernt - zerschellte.

Die Maschine war nach Angaben der Airbase auf dem Rückweg von einem Einsatzflug über dem Ärmelkanal. Dort sei in der Luft ein Awacs-Aufklärungsflugzeug betankt worden. Um 20.40 Uhr kam es zur Katastrophe: Der Pilot der umgebauten Boeing 707 vom Typ KC-135 brach den Landeanflug ab - und wollte mit dem Hinweis "I'm going around" (Ich fliege noch eine Runde) durchstarten. Beim Abdrehen sei die Maschine in einer Steilkurve über den rechten Flügel abgekippt und 50 Meter außerhalb des Flugplatzgeländes abgestürzt, sagte der Standortkommandeur Klaus-Peter Stieglitz.

Unmittelbar vor dem Absturz hatte der Lotse im Tower schon die instabile Lage der Boeing bemerkt und Alarm gegeben. Zu spät. Das Flugzeug fiel wie ein Stein zu Boden. Dann explodierte die mit 10 000 Litern Kerosin beladene Militärmaschine und brannte aus. Von dem Flugzeug blieb nur das Heck mit der Aufschrift "Washington" heil. Ob die zum Tankjet für Awacs-Aufklärer umgebaute Maschine der US-Air-Force mit dem Spitznamen "Esso 77" beim Durchstarten kurze Bodenberührung auf der Landebahn hatte und dadurch in eine instabile Lage geriet, muß noch geklärt werden, hieß es.

370 Helfer waren zur Rettung im Einsatz. Noch vor Mitternacht wurden zwei der Crewmitglieder tot geborgen. Die Suche nach den beiden anderen US-Soldaten brach der Kommandeur am Nachmittag ab, um die Rettungskräfte nicht weiter zu gefährden. An der Absturzstelle herrschte weiterhin Brandgefahr. Ein Untersuchungsteam der Amerikaner und zwei Experten der Generalflugsicherheit Köln/Bonn sollen weiter ermitteln. Flugschreiber oder Voice Recorder soll es nicht an Bord gegeben haben.

Als mögliche Ursache schloß der Kommandeur schon früh eine umstrittene Baumgruppe vor der Landebahn aus, die die Sicht der Piloten angeblich behindern könne. Schon lange streitet der Stützpunkt mit der niederländischen Grenzgemeinde Onderbanken um das Waldstück. Ein Gemeindevertreter betonte, ohne die Bäume würden Militärmaschinen noch niedriger anfliegen. Die Gemeinde weigere sich deshalb, die Bäume abzuholzen.

Auf dem Fliegerhorst, auf dem 3000 Soldaten und Zivilisten beschäftigt sind, wurden am Morgen die Fahnen auf halbmast gesetzt, der Flugbetrieb war vorübergehend eingestellt. Sonst starten hier täglich 15 Awacs-Aufklärungsmaschinen und zwei Tankflugzeuge. "Unsere Gedanken sind bei denen, die gestorben sind, bei denen, die zurückbleiben", sagte Stieglitz.

In Geilenkirchen sind 14 Maschinen stationiert, darunter Awacs und Tankflugzeuge. Der 620 Hektar große Flugplatz mit seiner 3400 Meter langen Start- und Landebahn war 1982 an die NATO übergeben worden.