Nach neuen Gutachten hat sich die Krümmel-Studie der Bremer Wissenschaftlerin Inge Schmitz-Feuerhake endgültig erledigt. Die im Umkreis des Reaktors Krümmel gefundenen Spuren des radioaktiven Spaltprodukts Americium stammen demnach nicht aus dem Kernkraftwerk. Offen ist dagegen noch, ob das Land die Bremerin als Atomgutachterin vor die Tür setzt.
Das Energieministerium werde bis Ende Februar entscheiden, ob man die Zusammenarbeit mit der Physikerin fortsetze, sagte gestern ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage. Vorher soll mit Schmitz-Feuerhake geredet werden. Energie-Staatssekretär Wilfried Voigt (Grüne) werde die Wissenschaftlerin erneut zu einem Gespräch nach Kiel einladen. Einen ersten Gesprächstermin im Dezember 1998 hatte die Bremerin platzen lassen. Der ihr dann zugeschickte Fragenkatalog blieb unbeantwortet. Dem Vernehmen nach hat sich Schmitz-Feuerhake krank gemeldet.
Sollte die Bremerin das zweite Gespräch grundlos platzen lassen, werde das Ministerium nach Aktenlage entscheiden, kündigte der Sprecher an. Derzeit spricht fast alles gegen die Physikerin, die mit ihrer Studie vor gut sieben Wochen bundesweit Schlagzeilen machte. So wollte Schmitz-Feuerhake im Staub auf Dachböden im Umfeld Krümmels ,,Reaktorplutonium" gemessen haben. Dies hätte die Störfall-These der Reaktorgegner untermauert, eine Stillegung des Kernkraftwerkes nach sich ziehen können.
Die erheblichen Zweifel an der Studie wurden jetzt durch neue Gutachten zur Gewißheit. Im Kieler Auftrag stellte der TÜV München bei Kontrollmessungen fest, daß sich Americium auch in anderen Regionen Deutschlands findet. Zu erklären wäre dies mit oberirdischen Atombombenversuchen in den 60er Jahren und dem weltweit niedergegangenen Fallout. In einer weiteren Studie schließt die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (Braunschweig) den Reaktor Krümmel als Verursacher aus. Als Quelle nehmen diese Experten den Reaktorunfall von Tschernobyl an.
Beide Erklärungen hatte Schmitz-Feuerhake kategorisch verneint. ubi
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