Hasse-Oratorium

Mit präziser Artikulation

ja Hamburg - Fleißig hört Hamburg Hasse: Das "Alte Werk"-Konzert in St. Jacobi mit dem Oratorium "Sant' Elena al Calvario" war ausverkauft. Und wenn schon die römische Kaiserin Helena darin nach Golgatha pilgert, so war auch im Kirchenschiff für allerhand Bewegung gesorgt. Nur waren es keine Pilger, sondern zu spät kommende Besucher, die nicht wußten, daß der Konzertbeginn vorverlegt worden war. So erging's auch Tenor Markus Brutscher, der erst mitten in der Introduzione eintraf und gleich danach das erste Rezitativ zu singen hatte: "Schau, hier ist das Ziel deiner Reise . . ."

Hasses Musik kennt barocke Schnörkelei. Sie holt weit aus - und den Hörer zurück in das Zeitempfinden einer anderen Epoche. Dabei beweist sie aber untrüglichen Sinn für dramaturgische Gestaltung. Ein herrlicher Moment etwa, wenn ein Trauerzug am Grab Christi vorbeischreitet - mit Posaunen und gedämpften Geigen. Hasse ist, allen Längen zum Trotz, ein ideenreicher Komponist.

Diese Lebendigkeit vermittelte das Ensemble La Stagione unter Leitung von Michael Schneider durch präzise Artikulation. Sehr klangschön und transparent der Dresdner Kammerchor, die Solisten auf hohem Niveau: Romelia Lichtenstein gab der Titelfigur dramatische Züge, Anna Korondi setzte mit der Arie "Sul terren piagata" den spannungsreichen Höhepunkt, und Claudia Schubert gestaltete mit dunklem Timbre die Figur des Eustazio. Markus Brutscher hatte einige strahlende Töne zu bieten, Johannes-Martin Kränzle war ein majestätischer Präfekt. Großer, langer Beifall für die Aufführung - und für Johann Adolf Hasse.

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