Berliner Schülerin fiel vermutlich einem Sexualverbrecher in die Hände - Todesursache nicht bekannt

Die Polizei ist sicher: Jessica kannte ihren Mörder

dpa/ap Berlin - Im Eingang des Hauses Schillingstraße 34 brennen Kerzen. Ein Nachbar legt Blumen nieder. "Warum?" steht auf einem Zettel. Die Nachbarn in Berlin-Reinickendorf sind schockiert, sie verspüren Wut und Hilflosigkeit. Eine Elfjährige wurde ermordet, vermutlich von einem Sexualverbrecher.

Man kannte das Opfer: Jessica Kopsch, die in der Bäckerei einkaufte und ab und zu mit ihrer Freundin in der Pizzeria eine Pizza holte. "Das war ein ganz normales, sehr ruhiges Mädchen", sagt Samir Al-Baghdadi (17), der Pizzabäcker. Beate Scheele vom Party-Service hat Angst: "Jetzt kann man seine Kinder ja nicht mehr zur Schule schicken."

Die Schüler und Lehrer der Mark-Twain-Grundschule hatten bis zuletzt gehofft, daß Jessica wieder auftauchen würde. Am Montag kam die traurige Nachricht, daß die Tote, die in einer stillgelegten Kaolingrube bei Halle (Sachsen-Anhalt) gefunden wurde, die seit zweieinhalb Monaten vermißte Schülerin ist. Schulleiterin Verena Thamm sagt: "Die Kinder müssen das erst verarbeiten. Jetzt ist Ruhe notwendig."

Am Morgen ihres Verschwindens, am 28. Oktober 1998, war Jessica nicht zur Schule, sondern in entgegengesetzte Richtung gegangen. Zeugen bestätigen das. Wollte sie jemanden besuchen oder treffen, vielleicht ihren Mörder? Die Polizei ist überzeugt, daß sie ihn gekannt hat.

Eine zehnköpfige Mordkommission der Berliner Polizei hat die Ermittlungen übernommen, die zunächst parallel in Berlin und Halle geführt wurden. Bisher kennt man weder die Todesursache noch das Tatwerkzeug.

Zu Hause in der Schillingstraße ist es still geworden. Martina Kopsch (36) weint und schweigt. Ihr Mann Thomas (38) erzählt, daß sie Jessica "Shorty" nannten; denn sie war die Jüngste. Ihre älteren Geschwister Jennifer und Sven, Lehrling in Kiel, sind 13 und 17 Jahre alt.

Vor einer Woche, da hat der Vater noch an das große Wunder geglaubt. "Jemand wollte Jessica in Hennigsdorf gesehen haben", sagt der Bauarbeiter. "Dieses Hoffen, warum kann man das nicht lassen? Wir saßen hier, hofften und beteten. Und da war Shorty schon tot, verscharrt in dem Plastiksack." Die Familie wird von Polizeipsychologen betreut. Sie führen die Eltern und Jennifer ins Freie, fahren sie zu einem Platz, an dem sie mit ihrer Trauer allein sein können.