Logistikschule der Bundeswehr wird aufgelöst

Hamburg verliert seine Truppen-Versorger

Hannibal scheiterte vor Rom, weil die karthagischen Pfeffersäcke ihrem Feldherrn plötzlich nicht mehr den Nachschub finanzierten.

Napoleon wurde in Moskau zum Rückzug gezwungen, weil die Russen die Quartiere seiner Armee anzündeten und ihr damit die Nachschub-Basis nahmen.

Die Sowjetunion überstand die deutsche Offensive im Zweiten Weltkrieg auch deshalb, weil die USA via Atlantik und Mittlerem Osten riesige Mengen Versorgungsgüter lieferten und die deutschen U-Boote die Schlacht um die alliierten Nachschublinien verloren.

"Logistik ist nicht alles; aber ohne Logistik ist alles nichts!" heißt es auch bei der Bundeswehr, wobei der internationale Fachausdruck Logistik für Versorgung der Truppe und militärisches Nachschubwesen steht. Etwa 20 Prozent der rund 340 000 Soldaten der Bundeswehr sorgen dafür, daß Proviant, Wasser, Munition, Sprit und Ersatzteile zur richtigen Zeit in der richtigen Menge am richtigen Ort sind. In den US-Streitkräften entfallen auf einen Mann der kämpfenden Truppe sogar sieben "Versorger".

Um so größer waren Unverständnis und Bestürzung, als bekannt wurde, daß die seit 40 Jahren bestehende Logistikschule der Bundeswehr in der Reichspräsident-Ebert-Kaserne an der Osdorfer Landstraße im Rahmen der Reduzierung der deutschen Streitkräfte am 25. März 1999, also heute, aufgelöst wird.

Im Jahr 1998 waren hier noch mehr als 5000 Nachschubspezialisten ausgebildet worden.

Die Aufgaben dieser renommierten militärischen Lehranstalt - "Hamburg trennt sich schweren Herzens von ihr", schrieb Bürgermeister Ortwin Runde zum Abschied - werden von anderen Schulen, u. a. der Nachschubschule des Heeres in Garlstedt und der Technischen Schule in Aachen, übernommen, 93 Soldaten und Zivilisten, an der Spitze Kapitän z. S. Albrecht Dettmann, werden versetzt oder verlieren ihren Arbeitsplatz.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst, einem Appell und einem Empfang verabschiedet sich die Logistikschule, die Buch, Schwert und Zahnrad in ihrem Wappen führte, heute von der Hansestadt. Dabei wird auch zur Sprache kommen, daß der Oberleutnant d. R. Helmut Schmidt hier seine erste Wehrübung gemacht und der Innensenator Schmidt der Schule anno 1965 den Namen Reichspräsident-Ebert-Kaserne gegeben hatte.

Gebäude und Areal der 1935 bis 1937 gebauten ehemaligen Iserbrook-Kaserne gehen an die Führungsakademie der Bundeswehr, womit die wachsende, immer internationaler werdende "Generalsschmiede" unserer Streitkräfte in Hamburg über drei große Liegenschaften verfügen wird. Auch in ihr wird ohne Logistik gar nichts gehen. sti.

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