Der Milchstraße Verlag bringt den fünften Titel ins Fernsehen

Immer auf dem Sprung

Magazin: Fit For Fun TV. So, Vox, 19.15 Uhr Milchstraße TV, die Fernsehabteilung der Hamburger Verlagsgruppe, mußte länger als geplant trainieren. Seit zwei Jahren trug man sich mit dem Gedanken, nun scheint das jüngste Kind endlich fit fürs Fernsehen: Drei Monate später als zuletzt angekündigt joggt am Sonntag erstmals der TV-Ableger des Aktiv-Magazins "Fit for Fun" (Auflage: gut 300 000 Exemplare) über den Bildschirm. Moderiert wird das 60minütige Magazin von Annabelle Mandeng, die ihre TV-Laufbahn beim Lokalsender Hamburg 1 begann und zuletzt als Wetterfee in allen RTL-Regionalprogrammen sowie in Seriengastrollen zu sehen war. Bei "Fit for Fun TV" kredenzt die 27jährige einen bunten Fitneß-Cocktail aus Service und Unterhaltung: Sie läßt Sportgeräte testen, gibt Ernährungstips und sorgt sich um den Single der Woche. Zwischendurch bleibt genügend Zeit für Promis wie Anke Engelke, die über sportliche Kindheitsträume plaudern, und für Wohlfühltips von Spitzensportlern wie Carl Lewis. Auch "Fitneßinstructor" Sven Hoeltje weist im Wochentakt den mühsamen Weg zum Waschbrett-Bauch.

Mit der trendigen Lifestyle-Gazette bringt der Hamburger Milchstraße-Verlag bereits denfünften Printtitel an den Telekiosk und folgt damit dem Weg, den auch andere Großverlage zur elektronischen Stützung ihrer Zeitschriften eingeschlagen haben. ImVergleich zu den Vorreitern "Spiegel TV" und "Stern TV zögerte Verleger Dirk Manthey jedoch lang, bevor er 1996 eine eigene TV-Abteilung aus dem Boden stampfte und die Devise ausgab: "Wo immer es geht, gehen wir Kooperationen mit TV-Sendern ein." Weniger zum Geldverdienen, sondern "vor allem aus Werbegründen", ergänzte der quirlige Chef.

Doch die ersten Fernseh-Schritte mit "Cinema TV" bei Pro Sieben erwiesen sich als ungeahnt schwierig: Weil die Quoten nicht stimmten, drohte bereits ein halbes Jahr nach dem Start im Winter 1997 das Aus. Das ursprünglich ambitionierte Kinomagazin verkam zu einer aus Videos der Filmfirmen zusammengestoppelten PR-Sendung, ohne Moderation und versteckt im Nachtprogramm. Inzwischen weist die Quotenkurve (im März mehr als elf Prozent Marktanteil) wieder aufwärts, und man hegt in München und Hamburg feste Pläne für einen Neustart: "Cinema TV" soll in Kürze aus einem Kino gesendet, wieder moderiert und stärker mit Eigenberichten bestückt werden.

Erst vor einem halben Jahr hatten auch die Milchstraßen-Hefte "Tomorrow" bei n-tv und "Max" bei Pro Sieben Premiere. Bereits seit einem Jahr läuft beim Musiksender Viva "Amica TV", seit kurzem als trendiges Fashion-Magazin mit Aleks Bechtel als Moderatorin. Doch die zahlenmäßige Vielfalt trügt. Christian Hellmann, der für Fernsehen zuständige Verlagsleiter, sieht die TV-Auftritte seiner Zeitschriften in erster Linie als Marketingmaßnahme. Nur "Max - Das Starmagazin" produziert die Milchstraße komplett selbst. Die Produktion der anderen Sendungen übernehmen die ausstrahlenden Sender selbst. Für "Max" könnte es übrigens bald einen neuen Sendeplatz geben, denn das Promi-Magazin liegt mit derzeit gut neun Prozent Marktanteil deutlich unter dem vom Sender gewünschten Schnitt von zwölf Prozent. Zunächst aber soll abgewartet werden, ob die Übertragung der "Oscar"-Verleihung preiswürdig ist. JOCHEN EVERSMEIER