Von der Aushilfe zum Wein-Tycoon

Von IRA VON MELLENTHIN Anton Rößner, Hamburger, Kaufmann. Seine Kurzbeschreibung ist schlicht, unspektakulär. Seine Vita um so weniger: mit 16 Aushilfskraft in einer Weinhandlung, mit 18 die erste Szenekneipe, mit 19, als Student, die erste eigene Firma, mit 38 - und abgebrochenem Studium - vier Unternehmen, mehrere Unternehmensbeteiligungen, mehr als 70 Mitarbeiter und rund 120 Millionen Mark Umsatz.

Das jüngste Unternehmenskind Rößners ist die "Enoteca" im Hanse-Viertel, bereits wenige Wochen nach der Eröffnung Ende Januar auf dem Weg, den das 1984 von ihm gegründete "Weinland" in der Jarrestraße, die Importgruppe "Wein Wolf" oder "Weinklima", ein Vertriebsunternehmen für Kühlsysteme und Design-Gegenstände rund um Alkoholika, gingen: in den Erfolg. Die nächsten Unternehmen des sympathischen Hamburgers mit dem offenen Gesicht und ansteckenden Lachen sind bereits geplant: In Vorbereitung ist die Gründung eines Wein-Call-Centers, anschließend soll eine Firma für Promotion- und Verkaufsförderung folgen. Das, was dort vermittelt werden soll, hat Rößner in Eigenregie hinter sich gebracht. Noch vor dem Abitur eröffnete er mit zwei Schulkameraden das "Café Fleck", "eine Szenekneipe für Popper", graust es ihn heute. Die Idee dazu entstand während einer geschwänzten Stunde in einem Eiscafé gegenüber der Schule: "Der Inhaber wollte das Café aufgeben, wir haben es gepachtet." Das Startkapital: zehntausend Mark von Rößner, "die hatte ich wirklich im Spielcasino gewonnen", dazu Einlagen der Eltern der Schulkameraden. "Café Fleck" florierte bis nach dem Abitur, dann wurde den Jungunternehmern die Konzession entzogen - Lärmbelästigung.

Rößner, in dem Trio bereits für den Einkauf zuständig, begann, Betriebswirtschaft zu studieren - angewandt: Mit seiner Lebensgefährtin gründete er sein erstes Wein-Import-Unternehmen. Die Lieferungen erschloß sich der Student durch regelmäßige Besuche von Weingütern, die Abnehmer durch hartnäckige Überzeugungsarbeit in Hamburger Kneipen und Restaurants. "Am Anfang hagelte es Ablehnung und Abweisung", erinnert der 38jährige. Einer der ersten, die ihm eine Chance gaben: Franco Cuneo, Eigentümer des gleichnamigen Familienrestaurants in der Davidstraße, dann Pizza-König Manfred Katz wie auch Gastronom Eugen Block. Das Unternehmen begann zu florieren, die ersten eigenen Weinhandlungen wurden gegründet, der Einstieg in den Wein-Großhandel folgte. Der Preis für den geschäftlichen Erfolg: Nach 13 Jahren die Trennung von der Lebensgefährtin. Rößner ließ seine Geburtsstadt hinter sich, verkaufte, bis auf "Weinland", die Hamburger Unternehmen und stieg in Bonn in ein Weinhandelsunternehmen ein. Drei Jahre später, 1995, kehrte er nach Hamburg zurück. "Ich hatte Heimweh. Ich liebe diese Stadt." Das, wie auch sein Weinkeller, steht seitdem wieder gern und oft für Freunde offen. Und wartet auf die Erfüllung des privaten Glücks, das bislang bei Rößner, der rund die Hälfte des Jahres auf Reisen ist, zu kurz kam. Aber, sagt er und lächelt breit: "Das wird sich auch noch ändern."

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