Stütze des BJC: Björn Meyer-Schomann

Tiger mit gutem Auge

Hamburg - Der Mann ist so leicht nicht aus der Ruhe zu bringen. Keiner, der explodiert, ausflippt oder schneller redet, als das Gehirn folgen kann. Björn Meyer-Schomann als Kopfmenschen zu bezeichnen, ist fast noch untertrieben. Denn für den Basketball-Flügelspieler der BCJ Tigers und angehenden Juristen ist der Kopf das wichtigste - ob unter den Körben oder am Schreibtisch.

Genau 1600 Punkte in rund 200 Spielen erzielte der 28jährige dort, wo seine neuen Mannschaftskameraden erst noch hinmöchten: in der ersten Bundesliga. Nach sieben Jahren in Braunschweig, Bayreuth und Rhöndorf zog es Meyer-Schomann vor der Saison in die Weltstadt Hamburg und gleichzeitig in die Niederungen der zweiten Liga. "Ich habe diesen Schritt bewußt gemacht. Ich wollte zu einem Team, das ambitioniert ist, bei dem ich aber gleichzeitig mein Jurastudium beenden kann", sagt der gebürtige Oldenburger.

In gut einem Jahr möchte der Neu-Hamburger sein Examen in der Aktentasche und zudem seine Ball-Statistiken in der ersten Liga nachgebessert haben - im Trikot der Tigers. "Wir haben trotz unserer zwischenzeitlichen Ausrutscher beste Chancen aufzusteigen. Und ich möchte einen guten Teil dazu beitragen", sagt Meyer-Schomann.

Dies vor allem in Form von sicheren Distanzwürfen, guter Verteidigung und einem Auge für die Mitspieler: "Ich versuche, ein ausgleichendes Element in der Mannschaft zu sein und andere in Szene zu setzen. Wenn es sein muß, übernehme ich aber auch Verantwortung." Alles Kopfsache eben.

Auch Trainer Tim Butler weiß um die Bedeutung seines Neuzuganges: "Björn kann seine Erfahrung weitergeben und: Er hat das Spiel verstanden."

Und wie. "Basketball ist irgendwie ein Spiegelbild des Lebens. Es gibt viele unterschiedliche Charaktere auf einem Haufen, einen Boß und ein Ziel, das alle gemeinsam erreichen wollen", philosophiert der Zwei-Meter-Mann - nicht ohne schelmisch zu grinsen. Und hinzuzufügen: "Klingt doch toll, oder?"

Das Spiel mit dem roten Ball lernte Meyer-Schomann erst mit 13 Jahren richtig. Zuvor beendete er eine mögliche Karriere als Leistungsschwimmer aus zeitlichen und gesundheitlichen Gründen. Vorbilder für sein sportliches wie berufliches Schaffen fand "BJ" in der eigenen Familie: Vater Erich ist Richter am Amtsgericht Oldenburg, Bruder Lars (30) jagte in der Jugend nach den Körben.

Seit August bewohnt Björn Meyer-Schomann eine geräumige Fünf-Zimmer-WG am Rande des Schanzenviertels - unter anderem mit seinem Bruder. Freundin Nicole (25) wohnt nach wie vor in Köln. "Hat alles seine Vor- und Nachteile. Hamburg als Stadt hat mich sehr gereizt, und ich bin nicht enttäuscht worden", so der Hobby-Aktionär.

Wie's später weitergeht im Leben des Kopfmenschen Meyer-Schomann, ist offen: "Vielleicht gehe ich nochmal ins Ausland, vielleicht bleibe ich auch mein Leben lang in Hamburg." Wird eben alles im Kopf entschieden.

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