Triebwagen und Waggons verrotten

Stirbt das Lok-Museum?

Von MATTHIAS REBASCHUS Es ist ein Trauerspiel. Ausgebrannt und verrostet stehen die 100 Jahre alten Lokomotiven und Waggons auf der Ruine des ehemaligen Lokschuppens in Wilhelmsburg, einem Gelände, das die Beschilderung immer noch als "Museum" ausweist.

Der ehemalige Hallenfußboden ist aufgeweicht. Überall zwischen den morschen Holzschwellen wuchert Kraut; die Schienen biegen sich unter dem Druck der bis zu 100 Tonnen schweren Dampflokomotiven durch. Die vielen meterhohen Birken, die aus den Trümmern wachsen, prägen das Bild. Zwar sind nicht alle der 50 Eisenbahnloks und -waggons ausgebrannt, doch unter freiem Himmel verrotten sie unaufhaltbar.

Gestern, am Jahrestag der Brandstiftung (14. Oktober 1994), die den Lokschuppen auf dem 105 Jahre alten Bahnbetriebswerk am Vogelhüttendeich zerstörte, trafen sich Mitglieder des Vereins "Freunde der Eisenbahn", die zusammen mit dem Museum für Hamburgische Geschichte das Museum aufgebaut haben.

Vier Vereinsmitglieder waren gekommen. "Insgesamt haben wir von ehemals 30 nur noch sieben Aktive, darunter keinen Lokführer mehr", sagt Sven Thomsen, der Arbeitsgruppenleiter. Wie geht es nun weiter mit Hamburgs Eisenbahnmuseum, nachdem der für den Mai angekündigte Wiederaufbau nicht begann?

"Zur Zeit paßt das alles nicht mehr zusammen. Es fehlen die einfachsten Mittel, um die Stücke überhaupt sichern oder konservieren zu können", sagt Prof. D. Gisela Jaacks, stellvertretende Direktorin des Museums für Hamburgische Geschichte. "Auch bei uns im Museum ist die Stimmung niedergedrückt. Wir befürchten, daß das Projekt scheitert."

Sven Thomsen: "Das Feuer haben wir abgehakt. Aber gegen den Regen kommen wir nicht an. Es geht alles schneller kaputt, als es repariert werden kann. Noch ein paar Jahre, und der Schrotthändler kann kommen. Dann ist Schluß."

Das könnte wieder in vier Jahren sein, wenn 2002 die Bahn AG den benachbarten Reparaturbetrieb aufgibt, fürchtet der Verein. "Eine konkrete Zusage der Bahn zum Wiederaufbau haben wir immer noch nicht", sagt Sven Thomsen. "Zur Mitarbeit begeistert das nicht . . ."

Nach dem Brand hatte die Bahn AG von der Versicherungssumme (1,5 Millionen Mark) Aufräumarbeiten und umfangreiche statische Gutachten bezahlt. Die Restsumme reicht nicht für den Wiederaufbau.

Die Mitglieder des 1957 gegründeten Vereins, der an die Bundesbahn (später die AG) nicht nur Miete und Feuerkassenbeiträge zahlte, sondern auch 400 000 Mark in die technische Ausstattung des Schuppens steckte, wollen trotzdem weitermachen. Auch wenn es weiter nur Absichtserklärungen gibt:

Egbert Meyer-Lovis, Sprecher der Bahn AG, sagt: "Wir wollen nach wie vor den Lokschuppen wieder aufbauen und prüfen derzeit die konzeptionelle und finanzielle Machbarkeit."