Aufregung in Bramfeld, Eltern sorgen sich um Sicherheit der Kinder

Einbahnstraßen geöffnet - Anwohner empört

| Lesedauer: 3 Minuten

Von NURAY PAULSEN "Fahren Sie da weg, sonst kommen wir nicht durch. Und außerdem ist das eine Einbahnstraße", ruft ein Mitarbeiter der Stadtreinigung einem Autofahrer zu. Eine Situation, die sich in den letzten Tagen am Werfelring in Bramfeld öfter zuträgt. Denn ohne die Anwohner rechtzeitig zu informieren, wurde die Einbahnstraßenregelung am Werfel- und Tucholskyring, in der Stefan-Zweig-Straße und zwei weiteren Straßen in Bramfeld von heute auf morgen aufgehoben.

Anwohner und Elternrat der in der Nähe liegenden Grundschule Karlshöhe fühlen sich übergangen. Sie hatten sich in eine Unterschriftenliste eingetragen, damit ihre Einbahnstraße bleibt. Anlaß für die Öffnung der Einbahnstraßen ist die gesetzlich verankerte "Förderung des Radverkehrs", die im Rahmen des "Versuchs 2000" zu einer umfassenden Aufhebung der Einbahnstraßenführung in Tempo-30-Zonen führen soll. Dennoch liegt die Entscheidung, ob eine Einbahnstraße für den gegenläufigen Verkehr geöffnet oder die Einbahnstraßenregelung sogar ganz aufgehoben wird, bei den örtlichen Straßenverkehrsbehörden.

Bernd Bolls, stellvertretender Leiter der straßenverkehrsbehördlichen Abteilung in Bramfeld: "Einbahnstraßen, die breiter als sechs Meter sind, lassen einen Zweirichtungsverkehr zu." Für die Radfahrer sei diese Verkehrsführung sicherer als verschiedene Formen des Einbahnverkehrs.

Michael Ohrt, Anwohner am Werfelring, bezweifelt, daß die Straße für einen Zweirichtungsverkehr geeignet ist: "Wenn zwei Fahrzeuge sich begegnen, fährt einer meist über den Gehweg." Außerdem habe die neue Regelung die ohnehin vorhandene Parkplatznot gesteigert. Dazu Nachbarin Susanne Mischkowski: "Es gibt hier Parkplätze, die nur dann genutzt werden können, wenn man gemäß der vorher bestehenden Einbahnstraßenordnung in den Werfelring einfährt. Aus der Gegenrichtung ist das Parken nicht möglich." Weil der Werfelring stark von Schulkindern aus einem in der Nähe neu entstandenen Wohngebiet als Durchgang benutzt wird, sorgt sich die Mutter einer achtjährigen Tochter jetzt auch um deren Sicherheit. "Natürlich gucken die beim Überqueren der Straße aus Gewohnheit nur in eine Richtung", sagt Mischkowski.

Unterstützung finden die betroffenen Anwohner bei den Kommunalpolitikern aller Parteien. "Wenn die Mehrheit der Bürger etwas nicht will und sich auch ernsthaft mit einer Sache befaßt hat, dann sollte man das akzeptieren", sagt Nico Hansen, stellvertretender CDU-Fraktionschef im Ortsausschuß Bramfeld. Schließlich seien Gesetze für die Bürger da. Nach wie vor sei er kein Freund der Aufhebung von Einbahnstraßen und befürchte ein heilloses Verkehrschaos, insbesondere für den Tucholskyring. "Jeden Morgen setzen Eltern ihre Kinder mit dem Auto im Kindergarten ab. Wenn die Autos nun in beide Richtungen durch die engen Kurven der Ringstraße fahren, bleibt die Sicherheit der Kinder auf der Strecke", sagt Hansen.

Für Heidrun Becker Erdem (GAL) ist die Panik der Anwohner verfrüht. "Das Verfahren wird jetzt geprüft. Bekommen die Anwohner recht, kann alles ohne großen Aufwand wieder rückgängig gemacht werden."

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: 1998