Erlösender Schuß auf der Bühne

A.Br. Buxtehude - Es wird mit treuem Augenaufschlag und Lächeln auf der Lippe gemordet. Es wird geliebt (oder was man dafür hält), es wird Theater gespielt, gesoffen und gefressen. Und es wird jongliert nit allem, was machbar ist. Und auch noch Billard auf der Bühne der ausverkauften Aula der Halepaghenschule gespielt.

Die Komödie im Bayerischen Hof, München, gastierte dort Mittwoch abend mit Woody Allens "Kugeln überm Broadway", einem Stück über einen Autor der sein mittelmäßig bis schlechtes Stück nur dadurch auf die Bühne bringt, weil es ein Gangsterboß finanziert, um sein attraktives aber nerviges Püppchen zu einer "Schauspielerin" zu machen.

Dabei ist sie dann allerdings so grauenhaft, daß Gangster Cheech (eigentlich als Bodyguard auserkoren) ihr emotionslos den Gnadenschuß gibt, um dann selbst in den "Kugeln überm Broadway" im Schlußapplaus zu sterben. So ist das nun einmal. Oder so war es zur Zeit der Gangsterkriege in den 20er Jahren in den USA.

Den Besuchern hat diese kurzweilige und zeitweise auch üppige Inszenierung von Volker Lechtenbrink in den knapp zweieinhalb Stunden sicher soviel Vergnügen gemacht, wie Woody Allen beim Schreiben.

Volker Lechtenbrink stieg in seiner Rolle als Cheeck in den Saal hinab, griff ins Geschehen ein und zog fluchend durch die Saaltür ab. Außer Lechtenbrink gab es noch eine ganze Reihe sehenswert agierender Akteure auf der Bühne: Cay Lichtenauer als Autor, Edda Pastor, Sabine Morris-Jenkel und Holger Schulze als die Schauspieler im Stück innerhalb des Stückes, auch Jeannette Arndt als nervige Olive etwa.

Ein Sonderlob verdient Thomas Pekny für sein hervorragendes Bühnenbild. Horst Frank allerdings als Agent Julian Marx zu erleben war doch schon recht peinlich. Der bekannte Schauspieler vieler Filme ist zu einem Schatten seiner selbst geworden, er ist kaum noch zu verstehen. Das sollte Besetzungsbüros zu denken geben.

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