Einzigartiger Fund: Kanonenboote aus 30jährigem Krieg

dpa Schleswig - In einem moorigen Seitenarm der Schlei bei Schleswig haben Experten des Archäologischen Landesamtes neun Schiffswracks aus dem 30jährigen Krieg geortet. Die mit großer Wahrscheinlichkeit um das Jahr 1628 versenkten Schiffe gehörten zur Kriegsflotte des Gottorfer Herzogs Friedrich III. von Schleswig und Holstein. Die ungefähre Stelle, wo die Schiffe versenkt wurden, sei bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts bekannt, sagte der Archäologe Willi Kramer. 1999 solle einer der hölzernen Segler, die zehn bis 16 Meter lang sind, ausgegraben und ausgestellt werden.

Die Schiffe sind vermutlich noch mit Kanonen bestückt. Sie liegen doppelreihig in gut zwei Meter Tiefe im Tegelnoor ("Ziegelmoor") - laut Kramer ein europaweit einzigartiger Fund.

Er werde bei der Ausgrabung nun nicht "auf alle neun Schiffe losgehen", sondern nur auf eines oder zwei, sagte Kramer. Es müßten zunächst ein genauer Lageplan und eine Kartierung erarbeitet sowie die Finanzierung sichergestellt werden. Er hoffe, daß die Ausgrabung 1999 mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen möglich sei.

Die Untersuchung erster Holzproben der vermuteten Kanonenboote, die dem gefrorenen Sumpf entnommen wurden, ergaben die genauere Datierung der Wracks. Das Ergebnis deutet auf einen Teil der Flotte des mit den Schweden sympathisierenden Herzogs Friedrich III. (1597-1659) hin, der auf Schloß Gottorf nahe dem Fundort residierte und im 30jährigen Krieg von seinem eigenen König Christian IV. bedroht wurde.

Allererste Spuren von zunächst sieben Schiffen waren bereits 1818 sowie 1859 gesichtet und aufgezeichnet worden. Diese Dokumente wurden von Kramer gefunden und ausgewertet, der dann in der Verlängerung der bisher kartierten Wracks zwei weitere Schiffe ortete. Die dänischsprachige Beschreibung des Königlichen Landvermessers und Rittmeisters Wilhelm von Sommer aus dem Januar 1859 sei "exzellent", sagte Kramer. Von Sommer hatte eines der Schiffe damals schon einmal freigegraben. "Das war die erste schiffsarchäologische Unternehmung in Nordeuropa." Auf einer Schleswig-Karte aus dem Jahr 1873 seien die Schiffsfunde bereits offiziell vermerkt worden.

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