Mit System: Hamburgs neue Radwege

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Von SUSANNE DORN

Die Baubehörde will ein neues, 270 Kilometer langes "Velorouten-Netz" anlegen. Zehn sternförmige Routen sollen die Hansestadt in Zukunft durchkreuzen und das Radeln im Alltag attraktiver und sicherer machen.

Viele hielten es für ein leeres Wahlversprechen, das von Bausenator Eugen Wagner zwei Wochen vor der Hamburg-Wahl vorgestellte Velorouten-Konzept. Doch jetzt hat die Baubehörde mit den Vorbereitungen zur Umsetzung des von dem Hannoveraner Ingenieurbüro PGV erarbeiteten Konzeptes begonnen. Als erstes Bezirksamt wurden die Pläne jetzt dem Bezirksamt Eimsbüttel vorgestellt, in dessen Bereich bis Anfang Dezember die erste Veloroute zwischen dem Behrmannplatz in Lokstedt und dem Uni-Viertel fertiggestellt werden soll.

Das 100 000 Mark teure Gutachten soll die Voraussetzung dafür schaffen, daß die Planungen bezirksübergreifend koordiniert werden können. Behördenmitarbeiter und die Fahrradbeauftragte Dagmar Meyer werden das Konzept darum gemeinsam mit dem Gutachter auch den zuständigen Ausschüssen der anderen sechs Bezirksversammlungen vorstellen und den genauen Routenverlauf mit der Verwaltung abstimmen. In den Bezirken vorliegende Routenplanungen und Anregungen aus der Bezirksebene sollen berücksichtigt werden.

Grundsätzlich gilt, daß die Routen entlang von weniger stark von Kraftfahrzeugen genutzten Straßen führen sollen. Das vom Gutachter vorgeschlagene Gesamtnetz umfaßt 270 Kilometer, die zu den bestehenden Radwegen (1800 Kilometer) hinzukommen. Dabei wird auf das vorhandene Straßen- und Wegenetz zurückgegriffen, das derzeit häufig für Radfahrer unattraktiv und streckenweise gefährlich ist. Das Gutachten zeigt nicht nur die Probleme der einzelnen Routen auf, sondern bietet auch Lösungsansätze.

Die zehn das Netz bildenden Radiallinien und zwei Ringverbindungen umfassen alle Stadtbezirke. Zusätzlich gibt es Querverbindungen, so daß möglichst viele Wohngebiete mit hoher Bevölkerungsdichte und guter Infrastruktur wie Schulen, Sport- und Kultureinrichtungen vom Netz profitieren werden. Diese Gebiete sollen vorrangig angeschlossen werden.

Da die Gesamtkosten für das Velorouten-Netz von der Baubehörde mit rund 20 Millionen Mark veranschlagt werden, für die Umsetzung jedoch pro Jahr nur 2,9 Millionen Mark bereitstehen, werden Hamburgs Radler noch einige Jahre warten müssen. Baubehörden-Sprecher Christian-Georg Schuppe will sich nicht auf einen Zeitraum festlegen lassen: "Das ist eine mittel- bis langfristige Koordinierung, zusammenhängende Radwege zu schaffen."

Um Kosten zu sparen, sind die für die Routen erforderlichen Umbauten häufig in andere Bauvorhaben eingebunden. Erstmalig will die Baubehörde in einem Pilotprojekt für die "Velo-Routen" ein neues Pflaster verlegen. Getestet werden soll, ob die 25 mal 25 Meter großen Platten für die Radler komfortabler sind als die üblichen roten Pflastersteine.

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