Der Deutsche Tennis Bund weihte das Dach am Rothenbaum ein. Der Kampf um den Tennis-Standort Hamburg geht jedoch weiter. Die Entscheidung über die Turniere der Zukunft fällt im Sommer.

Ein Denkmal für Boris Becker

rg Hamburg - Das Wetter spielte mit. Es tröpfelte vom Himmel, als gestern Claus Stauder, der Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB), um 12.37 Uhr den in den vergangenen zehn Jahren für 52 Millionen Mark ausgebauten Centre Court am Rothenbaum seiner Bestimmung übergab. Das mobile Dach, das als letzte Ausbaustufe im vergangenen Spätsommer fertiggestellt worden war, blieb während der anderthalb Feierstunden notgedrungen geschlossen. Es könnte in fünf Minuten geöffnet werden.

10 200 Zuschauer mußten auf diese Demonstration verzichten. "Es funktioniert", versicherte DTB-Geschäftsführer Günter Sanders. Bei einem Treffen mit Politikern, Wirtschaftsführern und Honoratioren dieser Stadt hätte es vor einer Woche zwar den Vorführeffekt gegeben, die Motoren stoppten, kurz bevor sich der 1,2 Millimeter dicke Kunststoffschirm seine volle Schutzfunktion entfaltete, danach hätte das Auf- und Zuziehen indes reibungslos geklappt. Der Mann, dem diesen Stadion

ein imaginäres Denkmal setzt, wurde von den Hamburgern mit einem Beifallsorkan begrüßt. Bevor Boris Becker 1985 erstmals Wimbledon gewann, blickte Stauder zurück, hatte es um den Tennis-Standort Hamburg trostlos ausgesehen. Die Tribünen verrotteten, die Stadt plante, das Gelände anderer Nutzung zuzuführen. 13 Jahre später kann der DTB eines der modernsten Stadien der Welt präsentieren. "Das ist heute ein großer Tag für das deutsche Tennis", sagte Bekker nach seinem Schaukampf mit Carl-Uwe Steeb, den er nach 40 Minuten 6:3 gewann.

Dieser Empfang habe ihn "total überrascht", meinte Becker hinterher. Nie und nimmer hätte er mit "so vielen Zuschauern" gerechnet, Atmosphäre und Stimmung im geschlossenen Rund, pries er die neuen Bedingungen, seien "prickelnd wie bei einer riesigen Hallen-Veranstaltung". Becker fühlte sich in diesem Ambiente zur Show animiert, hatte aber das Pech, mit einem unters Dach geschlagenen Ball nicht die anvisierte Sprecher-Box des unfreiwillig störenden Jo Brauners (NDR), sondern die Brille eines Zuschauers zu treffen. Bekker bereinigte den Mißklang elegant. Er eilte auf die Tribüne, entschuldigte sich und schenkte dem Mann seinen Schläger.

Andere Probleme scheinen nicht so leicht zu lösen. Zwar habe der DTB jetzt alles getan, versicherte Sanders, damit die Tenniselite nicht mehr an Hamburg vorbeiziehen könne, der zukunftsweisende Beschluß der Männer-Organisation ATP steht jedoch aus. Es gehe aber in deren Gremien derzeit "drunter und drüber", beurteilte Becker die Lage, keiner wisse, wie die ATP- Tour des Jahres 2000 aussehen solle. "Die Spieler", sagte Bekker, ?möchten alle Super-Neun- Turniere beibehalten. Es ginge deshalb nicht mehr um die Sanaplatz-Alternativen Monte Carlo, Rom oder Hamburg, die drei Veranstaltungen soüten nach den Wünschen der Profis ihren privilegierten Status behaupten.

Die Turnierveranstalter dagegen, meint Sanders, würden weiterhin eine Reduzierung der Zahl der großen Turniere begrü-

ßen. Andernfalls bestünde nicht die nötige Planungssicherheit für Zuschauer und Werbepartner, daß die besten Spieler bei diesen Ereignissen aufschlagen. Der Rothenbaum hatte dies in den vergangenen Jahren leidvoll erfahren müssen. 1997 präsentierten sich die German Open erstmals ohne Titelsponsor.

Mit Becker hat Hamburg in dem Entscheidungsprozeß einen wichtigen Befürworter. Wird die ATP in diesem Sommer über ihren neuen Turniermodus beschließen, stimmt er mit ab. Sein wiederholtes Versprechen: "Ich setze mich für Hamburg ein."

In der ersten Mai-Woche unterstützt der Davispokal-Teamchef das Traditionsturnier erneut. "Ich habe einen Tip für Sie", sagte Becker den Zuschauern, "kommen Sie schon an den ersten Tagen, wer weiß, wie lange ich dabei bin." Er glaube diesmal aber fest daran, daß er Hamburg "nicht so früh verlassen werde. Ich fühle mich gut in Form und habe wieder großen Spaß am Tennis. Ich werde bestimmt noch längere Zeit Turniere spielen." Selbst die Rückkehr nach Wimbledon scheint ihn verstärkt zu reizen. Becker: "Ich habe mir diese Tür stets offengelassen."

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