Baumarkt schaltete Detektive ein - auf frischer Tat ertappt

Eigene Firma betrogen: Ware unterderhand verkauft

Sie hatten einfach behauptet, die Waschbecken und Klo-Schüsseln seien zerbrochen. Doch unterderhand verkauften zwei Angesteüte des Baumarktes Bahr in Rahlstedt die Ware - natürüch vollkommen intakt - weiter. Jetzt kam eine vom Baumarkt beauftragte Detektei den Dieben und Hehlern auf die Spur. Die Firmenleitung hatte wegen der hohen Verluste im Gesamtwert von 200 000 Mark Verdacht geschöpft.

Die Detektive überführten die Mitarbeiter mit einer Videokamera. Sie hatten sich gegenüber der Warenausgabe im Gebüsch auf die Lauer gelegt- tagelang. Dann der Erfolg: Sie beobachteten, wie ein Angesteüter (30) nach Ladenschluß Rollen mit Laminatböden und sogenannten Schiffsbodendielen nach drau- ßen trug. Ihm folgte ein Kollege (31) mit einer Duschwanne unter dem Arm.

An der Warenausgabe warteten schon die Komplizen der Bahr-Mitarbeiter: Drei Spediteure (19, 40 und 45 Jahre). Sie waren die Abnehmer der heißen Ware, verkauften die Dielenböden, Heimwerkermaschinen und ganze Badzimmereinrichtungen zum halben Preis.

Es gab dann einen ?Videoabend für die Bahr-Geschäftsleitung. Die entschied sofort: Die Poüzei wüd eingeschaltet. Die Ermittler durchsuchten zeitgleich 12 Wohnungen und entdeckten dabei Diebesgut im Wert von mehrern tausend Mark.

Die Bahr-Mitarbeiter haben die Taten gestanden, ebenso zwei Spediteure. Nur der 40 Jahre alte Spediteur leugnet hartnäckig, etwas mit mit der Diebesbande zu tun zu haben.

Den Baumarkt-Angsteüten wüd fristlos gekündigt, die Anzeigen wegen Diebstahls laufen weiter. Die fünf Täter waren vorläufig festgenommen worden.

"Wir haben ein richtiges Diebesnest ausgehoben,", sagte Bahr-Geschäftsführer Manfred Schönbach gestern zum Abendblatt. Leider komme es im Einzelhandel immer wieder vor, daß Angestellte ihre Fümen bestehlen. Über Einzelheiten der Ermittlungen der Detektei woüte er nichts sagen: "Dann sind andere diebische Angestellte ja gewarnt."

"Diskrete Ermittlungen", bei denen beauftragte Detekteien Mitarbeiter überführen soüen, werden immer beüebter. In vielen Unternehmen werden nachts Mini-Kameras instaüiert, um Beweismaterial gegen ihre eigenen Angestellten zu sammeln. Der Bundesverband Deutscher Detektive hat herausgefunden, daß es bei einem Viertel aüer Fälle in deutschen Detekteien um Mitarbeiterdiebstähle geht. kj

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