Fahrradnovelle verlangt mehr Rücksicht und Aufmerksamkeit

Neue Regeln für Radler

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Seit 1. September ist sie in Kraft: Die "Fahrradnoveüe" läßt dem umweltfreundlichen Fahrradverkehr mehr Raum, macht ihn attraktiver und sicherer. Aber sie verlangt von allen Verkehrsteilnehmern - ob Autofahrer, Radfahrer oder Fußgänger - mehr Rücksicht auf andere. Die Deutsche Verkehrswacht (DVW) hat die neuen Regeln zusammengestellt.

Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen künftig den Gehweg auch dann benutzen, wenn ein Radweg vorhanden ist. Neu: Kinder von acht bis zehn Jahren dürfen mit dem Rad auf dem Gehweg oder wahlweise dem Radweg fahren. Damit ist einem alten Anliegen der Verkehrswacht entsprochen: Vor dem zehnten Lebensjahr ist die Fahrradausbildung in der Schule noch nicht abgeschlossen, der Gehweg ist für die Kinder sicherer. Voraussetzung ist natürüch, daß die Kinder Rücksicht auf Fußgänger nehmen.

Verkehrsarme Seitenstraßen können mit einem neuen Verkehrszeichen zur "Fahrradstra- ße" werden. Kraftfahrer dürfen Fahrradstraßen nur befahren, wenn es durch ein Zusatzschild ausdrücküch erlaubt ist. Ebenfaüs neu: Am rechten Fahrbahnrand können durch eine unterbrochene Markierung Schutzstreifen abgetrennt werden. Fahrräder haben hier Vorrang - Autos dürfen den Streifen aber bei Bedarf überqueren, wenn sie andere Verkehrsteilnehmer damit nicht gefährden.

Bestimmte Einbahnstraßen mit wenig Verkehr und einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h oder weniger können mit einem Zusatzschild für Radfahrer in beiden Richtungen freigegeben werden.

Außerdem bekommen Radfahrer eine Reihe von Wahlmöglichkeiten: So bleibt es dem Fahrer überlassen, ob er vom Seitenstreifen nicht Üeber auf die Fahr : bahn ausweichen wiü, es sei denn, ein gekennzeichneter Radweg ist vorhanden. Busspuren und andere Sonderfahrstreifen können jetzt mit einem Zusatzschüd für den Fahrradverkehr geöffnet werden, Radfahrer müssen die Spur aber nicht benutzen, wenn sie nicht wollen.

Der Linienführung eines markierten Radweges an Kreuzungen und Einmündugen aber muß gefolgt werden, auch wenn

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der Weg bis zur Kreuzung nicht wie ein Radweg gekennzeichnet war. Ab 1. Oktober 1998 gilt: Wenn ein Radweg nicht mit dem Zeichen 237, 240 oder 241 (weißes Fahrrad auf blauem Grand) gekennzeichnet ist, kann der Radler auch die Fahrbahn benutzen.

Jeder muß Rücksicht üben. Den Autofahrern soll ein Zusatzschild über dem Zeichen 205 ("Vorfahrt gewähren") dabei helfen, auf den kreuzenden und gegengerichteten Radverkehr zu rradstraße

achten. Ansonsten müssen motorisierte Verkehrsteilnehmer sich an die neue "Freiheit" der Fahrradfahrer gewöhnen. Die Radfahrer hingegen sind aufgerufen, verantwortungsvoü und vorsichtig mit ihren neuen Möglichkeiten umzugehen.

Zu den neuen Regeln hat die DVW ein Faltblatt herausgegeben. Es kann kostenlos angefordert werden bei der Deutschen Verkehrswacht, Am Pannacker 2, 53340 Meckenheim bei Bonn.

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