Widersprüchliche Gutachten zur Wirtschaftlichkeit von Gasund Dampfturbinen-Kraftwerken

Atom-Ausstieg: HEW sträuben sich

Der polltisch gewollte Ausstieg Hamburgs aus der Kernenergie trifft auf Widerstand. Grund: HEW-Vorstands-Sprecher Manfred Timm wül die Stülegung des ersten Atommeüers erst im Jahr 2012, der rot-grüne Senat strebt aber einen Stopp schon in fünf Jahren an. Umweltsenator Alexander Porschke (GAL) wirft den HEW eine "bedauerllche ideologische Unternehmenspolltik" vor.

Im Koalltionsvertrag vom 6. November hatten SPD und GAL vereinbart, die HEW zum Ausstieg aus der Kernenergie zu bewegen, wenn sich der Betrieb eines modernen Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerks (GuD) für das Unternehmen rechnet, was im übrigen auch von der HEW- Satzung für diesen Fall vorgeschrieben wüd.

Timm glaubt aber offenbar nicht an büügen GuD-Strom und stützt sich dabei auf ein Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlln, das bei einem Ausstieg monatliche Mehrkosten bis zu 36 Mark pro Durchschnitts-Haushalt in der Hansestadt errechnet hat. Die GAL kam dagegen mit einem eigenen Gutachten zu dem Schluß, daß die bestehenden HEW-Kernkraftwerke teurer g reduzieren als neu gebaute ruD-Kraftwerke. Ebenfalls im Koalltionsvertrag vereinbart wurde deshalb, daß die Umweltbehörde ein drittes Gutachten in Auftrag gibt.

Timm wül sich dabei jedoch nicht auf den Preis für die Stromerzeugung allein verlassen. Er stellt zusätzlich die Bedingung, daß ein Bezugspreis für Erdgas von 1,5 Pfennig pro Küowattstunde auf 15 Jahre garantiert sein müsse. Derzeit biete allein der Zwei-Drittel-Anteü der HEW am Kernkraftwerk Brunsbüttel noch einen Kostenvorteü von rund 70 Milllonen Mark im Jahr gegenüber dem biüigsten heute verfügbaren Alternativstrom, heißt es bei den HEW.

Fazit laut Timm: "AUe Kernkraftwerke sollen, sofern technisch und atomrechtllch mög- Uch, eine Betriebsdauer von 40 Jahren absolvieren." Dies bedeute, daß das KKW Stade als ältestes Kraftwerk mit HEW-Beteillgung bis 2012 durchlaufen müßte. Die Kernkraftwerke seien "die strategische Überlebenswaffe der HEW im neuen Wettbewerb", so Timm.

Umweltsenator Porschke hält

dagegen: "Die Atomkraftwerke zur Überlebenswaffe der HEW zu erklären, widerspricht nicht nur dem Koalltionsvertrag der Regierungsparteien, sondern auch der Satzung der HEW." Ihm sei unverständüch, sich auf die weitere Nutzung der Atomenergie festzulegen, ohne vorher die wirtschaft- Uche Vertretbarkeit des Ersatzes durch GuD-Anlagen sachllch zu klären.

Die Wirtschaftlichkeit eines Kernkraftwerks, so Porschke, hänge auch davon ab, wieviel noch in die Sicherheit derartiger Alt-Anlagen investiert werden müsse. Sollte Schleswig-Holstein noch hohe Sicherheitsauflagen erlassen - was laut Koalltionsvertrag auch vom Senat gewollt sei - könne mangelnde Wirtschaftllchkeit schon sehr viel früher zum Ausstieg führen.

Daß die Frage des Atomausstiegs zum Bruchpunkt der rotgrünen Hamburger Koalltion werden könnte, glaubt Porschke nicht: "Da fühle ich mich einig mit den Sozialdemokraten, die in dieser Frage sicherllch auch nicht von den HEW vorgeführt werden wollen." Bürgermeister Ortwin Runde habe selbst gesagt, daß er mit dem Vorsitz im HEW- Aufsichtsrat eine schwere Verantwortung für die Umsetzung des Koalltionsvertrages übernommen habe.

Keinen Einfluß auf einen wirtschaftllch begründeten Ausstieg hätte nach Ansicht Porschkes der weitere Verkauf von HEW- Anteilen. Die Satzungsbestimmungen würden schlleßllch auch für jeden anderen Großaktionär gelten, solange Hamburg die Spernninorität von 25,1 Prozent behalte.

Als Reaktion auf die bevorstehende Liberallsierung des europäischen Strom-Marktes werden die HEW vom 1. Januar an in vier praktisch selbständige Geschäftsbereiche aufgeglledert: Erzeugung und Verbundwirtschaft, Vertrieb und Stromverteilung, Entsorgung, Fernwärme. Obwohl die Zahl der HEW-Mitarbeiter seit 1992 um 1200 auf 4800 sank, wurde niemand entlassen. Das werde auch in Zukunft so bleiben, sagte Timm, der optimistisch ins neue Jahr sieht, scho