Börsenburg bald wieder im Original-Zustand

Kontorhaus im Wandel

Seit einigen Monaten verdecken Planen die Fassade des Kontorhauses Börsenburg am Großer Burstah 1, das sich im Besitz der Hamburger Sparkasse befindet.

Das Gebäude wird im historischen Fassadenbereich restauriert und im Inneren modernisiert und mit neuer Technik versehen. In der zweiten Hälfte des nächsten Jahres wird es sich

dann den Passanten wieder im alten, ursprünglichen Glanz präsentieren und einen Eindruck vermitteln, wie die City in der Blütezeit der Comptoir-Häuser ausgesehen hat.

Die historischen Hamburger Kontorhäuser entstanden seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Sie trugen maßgeblich dazu bei, der Stadt ein modernes, geschäftsmäßiges Gepräge zu geben. Begonnen hatte der Wandel im Straßenbild mit den Zerstörungen des Großen Brandes von 1842, in den Jahrzehnten seit der Reichseinigung 1871 hat er sich dann immer rasanter fortgesetzt. Wohlhabende Kaufleute verlegten damals ihren Wohnsitz an die Ufer der Alster und der Elbe. Jahrhundertelang hatte man in Hamburger Kaufmannshäusern nicht nur gewohnt und gearbeitet, sondern auch die Waren gelagert.

Mit dem Bau der Speicherstadt in den 1880er Jahren wurden dann auch die Büros von den Lagerräumen getrennt. Nach englischen Vorbildern entstanden bis 1900 über 100 neue Kontorhäuser in City- und Hafennähe. Für die Firmen war es ein unschätzbarer Vorteil, sich in einem dieser repräsentativen Gebäude einzumieten. Sie waren mit neuester Technik versehen und lagen zentral.

In bester Lage, gegenüber der Börse an der Ecke Große Johannisstraße/Börsenbrücke (heute Großer Burstah 1) befand sich auch das Grundstück, auf dem Johann Michael Sauernheimer 1908/09 ein neues, siebenstöckiges Kontorhaus, die heutige Börsenburg, errichten ließ. Doch hieß das Gebäude ursprünglich anders. Der Bauherr verewigte sich an dieser Stelle und nannte das Haus Sauernheimerhof. Die Architekten Henry Grell und G. Stuhlmann errichteten das Gebäude als Stahlbetonskelettbau mit Mauerwerksausfachung, eine Bauweise, mit der man seit dem Bau der Speicherstadt gute Erfahrungen gemacht hatte.

Bei der Gliederung des Gebäudes orientierten sie sich an der in der Hansestadt üblichen dreiteiligen Bauweise von Kontorhäusern. Im Erdgeschoß wurden Läden eingerichtet, im Mittelteil und im Dach waren die Büroräume untergebracht. Die Fassade wurde mit Natursteinen aus Muschelkalk verkleidet. Hatte man die Fassaden seit den neunziger Jahren gerne mit Keramikplatten verziert, verwandte man seit etwa 1905 bevorzugt Sand-, Kunst- und Tuffstein. Der leicht gelblich getönte Muschelkalkstein des Sauernheimerschen Kontorhauses harmonisierte mit dem Sandstein der Börse.

1920 ging das Gebäude in den Besitz von Edgar Vorwerk über. Er war es, der das zwischen Börse und der ehemaligen Neuen Burg gelegene Haus in Börsenburg umbenannte. Im August 1996 erwarb die Hamburger Sparkasse die Börsenburg, um sie zu modernisieren.

Wolfgang Großner, der für die Planung verantwortliche Architekt, will die alte Fassade in ihrer ursprünglichen Struktur wiederherstellen. Schäden werden ausgebessert, verlorengegangene Teile ersetzt und später hinzugefügte Elemente, die den Zeitgeist der Nachkriegsepoche widerspiegeln, entfernt. Dabei wird nicht jedes Detail nach originalen Mustern kopiert. "Die ursprünglichen Zopfmuster-Zierleisten aus Metall im Erdgeschoß und Hochparterre werden wir nur in ähnlicher Form wieder herstellen", so Großner.

Während die modernisierten Büroräume von der Hamburger Sparkasse selbst genutzt werden, ist geplant, drei der vier Läden im Erdgeschoß zu vermieten. Sie haben eine Grundfläche von ungefähr 45 Quadratmetern. Die Vermietung erfolgt durch Grossmann und Berger.