Basketball: So startet BC Johanneum in die Saison

Die Tiger auf dem Sprung

Von CHRISTIAN JESS

Hamburg - Die Mischung soll's machen. Mit besonderer Akribie haben Trainer Heiner Zarnack, Co-Trainer Dieter Niedlich und Finanz-Chef Jens Holtkötter beim Basketball-Zweitliga-Klub BC Johanneum ein neues Team zusammengestellt, das nach zwei vergeblichen Anläufen endhch den Aufstieg in die Deutsche Eliteliga herauswerfen soll.

Zum Saisonauftakt am Sonnabend um 19.30 Uhr stehen die auf dem Sprung befindlichen Tiger in der Sporthalle Wandsbek (Rüterstraße) gegen den TSV Quakenbrück gleich vor einer Bewährungsprobe.

Es hat sich einiges getan beim selbsternannten Erstliga-Aspiranten. "Wir sind stärker besetzt als im Vorjahr", sagt Trainer Zarnack. Und auch wenn der 44 Jahre alte Gymnasiallehrer stets betont, "daß es keine Stammformation bei uns gibt", so stützen sich die Aufstiegshoffnungen des BC J vor allem auf fünf Spieler:

Tony Amundsen, US-Amerikaner aus San Francisco. Der 27 Jahre alte Spielmacher ist Nachfolger des nach England abgewanderten Andrew Bailey auf der Point-Guard-Position.

Mit einem erheblich besseren Wurf ausgestattet als sein Vorgänger, soll er nicht nur für Spielkultur, sondern auch für Treffer von der 6,25 Meter entfernten Drei-Punkte-Linie sorgen. "Tony ist schon jetzt der Kopf der Mannschaft", sagt Zarnack.

Carsten Heinichen, aus Karlsruhe stammender Aufbauspieler, bekleidet die Rolle des Shooting-Guards. Der neue Mannschaftskapitän hat als einziger Spieler der letztjährigen Anfangsformation seine Position im Team behalten - er ist vor allem als Dreierschütze gefährlich. "Trotzdem", sagt der 29jährige, "habe ich jetzt öfter die Aufgabe, den Ball weiter zu passen. Bei uns sind alle Spieler korbgefährlich."

Dimitrij Buschin (29), 2,06 Meter großer AUrounder, ist nach dem Weggang des Topscorers Robert Feaster auf die Position des Small Forwards gerückt. "Dima blüht dort so richtig auf. Ich habe ihn noch nie so gut in Form gesehen wie in den letzten Wochen. Vor allem mit Tony versteht er sich bestens", sagt Kapitän Heinichen über den einstigen russischen Jugend-Nationalspieler. In der abgelaufenen Spielzeit mußte Buschin, der jetzt Deutscher ist, notgedrungen sogar als Center ran.

Mike Broderick, US-Amerikaner mit irischem Paß, kam vom Liga-Konkurrenten BG Göttingen zum BC Johanneum. Der 34jährige war mehrmals bester Korbjäger der zweiten Liga und gilt auf der Power-Forward-Position als erheblich korbhungriger als der in die zweite Mannschaft gewechselte Ex-Kapitän Tim Berger. "Ich will die Mannschaft auch emotional nach vorne bringen", sagt der Exzentriker.

Broderick, der während seines zwölfjährigen Gastspiels in Deutschland nicht ein einziges Punktspiel versäumt hat, konnte durch seine Arbeit als Industrie- Kaufmann in Göttingen bislang nur selten mit seinen neuen Korb-Kameraden trainieren. Derzeit werden für den frischgebackenen Familienvater ein qualifizierter Job und eine geeignete Wohnung gesucht.

Gudmundur Bragason (30), isländischer Nationalspieler, fand im Laufe der vergangenen Spielzeit den Weg nach Hamburg. ,"Goody' ist ein sehr beweglicher Spieler, an dem wir noch viel Freude haben werden", urteilt Heinichen über den 2,03 Meter langen Center. In der Vorbereitung glänzte der Skandinavier sogar als Dreier-Schütze.

Dahinter sollen Center Michael Kartens (2,11 Meter, kam aus Belgien zurück), Björn Donat (Position 4), die Aufbauspieler Clemens Eichler (1) und Demekssa Duresso (2) sowie die Small Forwards Danny Herbst (?Ein echter Goldklumpen im Angriff, so Heinichen) und Paul Howard für Stabilität im Team sorgen.

Verteidigungsspezialist Howard erzielte für den TV Langen durchschnittlich 18 Punkte pro Partie in der abgelaufenen Bundesliga-Aufstiegsrunde.

"Wir haben nicht nur viele Charaktere, die aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen, sondern auch so furchtbar viele gute Spieler", sagt Zarnack mit der ihm eigenen Ironie.

Wohl dem Trainer, der solche Probleme hat.

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