Jan Ullrich macht's in Frankreich vor, wer will, kann ihm am 10. August in Hamburg nacheifern. Doch wo bleiben die Radler im täglichen Stadtverkehr?

HEW-Cyclassics:

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Hindernisse

auf den

Alltagswegen

Wie geht Hamburg mit seinen Fahrradfahrern um? Angelika Hillmer befragte Ulf Dietze, Vorsitzender des Landesverbandes Hamburg vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad- Club (ADFC).

Hamburger Abendblatt: In einer Untersuchung der Berliner Stiftung Warentest zur Radfahrfreundlichkeit der Städte schnitt Hamburg mit "mangelhaft" ab. Wo sehen Sie die Probleme? Ulf Dietze: Oft sind die Radwege in einem schlechten Zustand. Und an Knotenpunkten von Auto- und Radverkehr, wie Grundstückseinfahrten, kommt es immer wieder zu UnfäUen. Werden diese Probleme von der Stadt erkannt und angegangen ? Tendentiell wird es besser. Seit Februar 1995 gibt es eine neue Planungsrichthnie für Radverkehrsflächen, die eine fahrbahnnahe Führung vorsieht und Radstreifen auf der Fahrbahn zur Regellösung erklärt.

Die Berliner Inspekteure stellten fest, daß auf etlichen Strecken Radfahrer ständig absteigen oder ausweichen müssen. Als Fahrradfahrer kann ich auch mal anhalten oder Fußgängern ausweichen. Aber wenn ich AUtagswege zurücklege, dann passiert mir dies alle paar hundert Meter und ich komme nicht voran. Auch an Ampeln müssen Foto: BODIQ

Radler oft lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Ortsunkundige finden mangels Leitsystem kaum zu den attraktiveren Wegen abseits von Hauptverkehrsstraßen. Gibt es Städte, die das besser machen ?

Ansätze sind in Frankfurt und Hannover zu sehen. Aber auch in Hamburg tut sich etwas. Die Baubehörde läßt gerade ein Velorouten-Gutachten ersteüen, das stadtteilübergreifende Hauptverbindungen für den Radverkehr aufzeigen soll. Sie sollen gekennzeichnet werden.

Allerdings fordert der ADFC, die Wege erst baulich soweit herzustellen, daß sie attraktiv und sicher sind.

Wann könnten beschilderte Rad- Routen zum Stadtbild gehören? Wir rechnen damit, daß es zehn Jahre dauern wird, bis das Konzept umgesetzt ist. Insgesamt sind elf Routen in Planung. Das Gutachten bietet außerdem die Chance, das für den Radverkehr vorhandene Geld, etwa drei Millionen Mark pro Jahr, mögllchst effektiv einzusetzen. Es nennt für ganz Hamburg 500 Problemstellen, die abzuarbeiten sind. Wie hoch ist der Fahrrad-Anteil am Gesamtverkehr?

Zwölf Prozent aller Fahrten werden in Hamburg mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Fällt Ihnen etwas ein, wo Hamburg vorbildlich ist?

Ja, Fahrradabstell-Möglichkeiten an den U- und S-Bahn-Stationen und die kostenlose Mitnahme in den Bahnen.

Ein Problem sind die eingeschränkten Beförderungszeiten. Aber gerade in diesem Monat testet der HW, ob er ohne Sperrzeiten klarkommt, derzeit kann man das Fahrrad rund um die Uhr mitnehmen. Wir hoffen, daß es dabei bleibt.

Was halten Sie von den HEW- Cyclassics?

Sie sind eine schöne Sache, weil die Leute dann mit dem Fahrrad etwas Positives verbinden. Ich erhoffe mir von den Freizeitradlern, daß sie ihr Rad häufiger auch im Alltag benutzen.

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