Hubert Piske im Altonaer Museum

Holzschnitte von der Nordseeküste

Von EVELYN PREUSS Hamburg - Als Hubert Piske 1945 nach Wüster kam, war er acht Jahre alt, ein Flüchtlingskind aus Breslau. Mit wachen Sinnen begabt, fiel es ihm nicht schwer, sich bald in der zunächst fremden Umgebung einzuleben. Je älter er wurde, je mehr er von seiner neuen Heimat kennenlernte, desto enger verwuchs er mit ihren Menschen und ihrer Landschaft.

In dieses Jahr fällt Piskes 60. Geburtstag, der durch eine Ausstellung von 30 seiner Farbholzschnitte gekrönt wird. Das Altonaer Museum griff dafür auf eigene Bestände zurück. Wenn Piske sich der Landschaft zuwendet, und die meisten seiner Blätter sind ihr vorbehalten, ist es der schmale Streifen der Nordseeküste mit den Marschen, in dem Wasser und Erde in enger Symbiose einen einzigartigen, steter Wandlung unterworfenen Naturraum schaffen.

Ihm blieb Piske immer nahe, auch als Hamburger Lehrer und Politiker. Schon sein Dithmarscher Haus, in das er sich nach dem Unterricht an der Handelsschule Weidenstieg und der Arbeit als Vorsitzender der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte und Leiter von deren Bau-Ausschuß zurückzieht, ist ein Garant für eine nicht abreißende Verbindung zur Natur.

Seine Bildkompositionen haben einen großzügigen Zuschnitt. Ausgedehnte unregelmäßige Flächen schieben sich perspektivisch verjüngt bis zur Horizontlinie vor: Watt, Marschen, Priel. Darüber stehen hohe Wolkenfelder. Auch ein Selbstbildnis mit breitkrempigem schwarzen Hut hat diesen weiten Atem. Mehr als drei oder vier Farben trägt ein solches tektonisches Gefüge nicht. Und sie sind mild, gebrochen durch die diffuse Meeresluft.

Wendet sich Piske dem Hafen zu, verschwindet der Sog der Unendlichkeit aus seiner Graphik Die Augen stellen sich ganz auf Nähe ein, wenn ein Ozeanriese am Kai oder im Dock liegt. Von den gewaltigen Ausmaßen des Schiffs werden gerade noch einige Segmente erfaßt. So verblaßt die Bedeutung des Motivs. Es dient nur zum Stützen der Farbkomposition, die sich jetzt als Wesenskern des Bildes herausschält.

Museumstraße 23, bis 24. August, di-so 10-18 Uhr, Katalog 15 Mark

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